Fluggesellschaften

"Ich habe nicht die Befugnis, Kunden zu helfen"

Langstreckenflüge in der Economy Class können sehr unangenehm sein. Die Beine schlafen ein, die Knie schmerzen, das Essen ist zwar meist essbar, aber kein wirklicher Genuss, und wenn man Pech hat, müffelt auch noch der Nachbar. Alles harmlose Erlebnisse allerdings, wenn man die Geschichte von Zane Selkirk hört.

Die 28-jährige Yahoo-Produktmanagerin aus Los Angeles bestieg am 28. Januar 2011 einen British-Airways-Flug nach London Heathrow. Schon vor dem Abflug sah sie ein einzelnes kleines Insekt auf dem Sitz vor ihr. Nicht weiter beunruhigt, begann sie einen Film zu schauen und vergaß den hässlichen Käfer. Das Deckenlicht wurde gedimmt. Drei Stunden nach Abflug bemerkte sie dann das große Krabbeln.

Als sie das Licht über ihrem Sitz angeschaltet hatte, sah sie, wie Bettwanzen über ihre Finger und die von der Fluggesellschaft ausgeteilten Decken flitzten. Ihr Hemd war mit "Bettwanzen-Blut bespritzt". Angeekelt ging sie zur Toilette und sah das ganze Übel. Ihr Rücken war mit blutigen Bissen übersäht. Bettwanzen krabbelten über ihren Oberkörper.

Eine empörte Beschwerde beim Kabinenpersonal brachte ihr zwar keine Entschuldigung, aber zumindest einen Platzwechsel in die Businessklasse ein. Bettwanzen begnügen sich offenbar mit billigen Plätzen. In der teuren Businessklasse jedenfalls verbrachte Selkirk en restlichen Flug insektenfrei.

Intensiver Juckreiz

Angekommen an ihrem endgültigen Reiseziel im indischen Bangalore beschwerte sich die Geschäftsfrau beim Bodenpersonal von British Airways. Ihr wurde gesagt, "niemand sei in der Position, Kunden mit Beschwerden zu helfen."

Entnervt trat sie am 5. Februar den Rückflug mit British Airways von Bangalore nach London an. Während des Flugs bemerkte sie nichts. Als sie in London aus der Maschine trat, spürte sie einen "intensiven Juckreiz" an ihrem Rücken. Alarmiert lüftete sie ihr Hemd. Der Rücken war übersäht mit 90 blutigen Bissen. Beim Kundenservice in London sagte ihr ein British-Airways-Manager ins Gesicht: "Ich habe nicht die Befugnis, Kunden zu helfen." Sie könne eine schriftliche Beschwerde einreichen, wenn sie wieder in Los Angeles angekommen sei. Selkirk machte das auch, aber erst, nachdem sie eine Website ins Internet gestellt hatte. Unter www.ba-bites.com haben schon Tausende Internetnutzer ihre Bettwanzen-Odyssee gelesen.

British Airways, die sich selbst gern als beste Fluggesellschaft der Welt bewirbt, sah sich dann doch zu einer Antwort genötigt. Eine knappe Entschuldigung immerhin bekam die Amerikanerin. Mehr nicht: "Es gab keinerlei Versprechen, dass sie wenigstens das betroffene Flugzeug untersuchen." Der "Financial Times" sagte British Airways, Bettwanzen seien auf ihren rund 250 000 Flügen pro Jahr "extrem selten". Selkirk beruhigt das kaum: "Ich kann mir kein Szenario vorstellen, bei dem ich je wieder freiwillig mit British Airways fliegen würde."