Marktbericht

Gefahr für die Aktien-Hausse

Nach dem Umsturz in Tunesien und Ägypten häufen sich nun die Berichte über Massenproteste in anderen arabischen Ländern, von Bahrain über den Jemen bis hin zu Libyen.

Mit dem von Oberst Gaddafi beherrschten Wüstenstaat steht dabei erstmals ein Land im Fokus, das zu den wichtigen Ölförderländern gehört. Die Spannung an den Terminmärkten für den schwarzen Schmierstoff ist bereits gestiegen. Seit Anfang des Monats hat sich der Ölpreis oberhalb von 100 Dollar je Fass (159 Liter) festgesetzt. Richtig gefährlich für die Weltwirtschaft könnte es jedoch werden, wenn die großen Produzenten in den Sog der Turbulenzen geraten, also Saudi-Arabien, Kuwait, der Irak oder der Iran.

Denn Öl ist der wichtigste Schmierstoff unserer Industrie. Der weltweite Anteil der Ausgaben für Öl gemessen am Einkommen liegt derzeit bei rund vier Prozent, nachdem er im vergangenen Jahr noch etwa 3,4 Prozent betragen hat. "Historisch gesehen ging jedes Mal, wenn der Anteil über vier Prozent lag, die Nachfrage zurück", hat Ronan Carr von der Investmentbank Morgan Stanley festgestellt. Das bedeutet: Die Menschen schränken dann ihren Konsum ein, die Industrie reagiert ebenfalls und spart. Und das trifft die Finanzmärkte. Die Folge wäre, dass die Aktienhausse, die seit einigen Monaten herrscht, plötzlich wieder zu Ende gehen, die Kurse sogar ins Minus drehen könnten.