Unternehmen

Förderbank IBB soll Firmen in Krise helfen

Berlins kleine und mittlere Unternehmen können in Zukunft Liquiditätsprobleme mithilfe der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) überbrücken. Der Senat beschloss, die Förderbank, die bisher hauptsächlich Investitionen unterstützen darf, mit dieser neuen Aufgabe zu betrauen, um in Berlin eine Kreditklemme zu verhindern.

In der Wirtschaftskrise seien "Investitionen nicht das zentrale Thema für Berlins Unternehmen", sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Das belegen die Zahlen: Aus ihrem Wachstumsprogramm für Investitionen hat die Bank bis zum 31. August nur 25,5 Mio. Euro ausgereicht, 2008 waren es noch 68,5 Mio. Euro gewesen.

Stattdessen steige die Nachfrage nach Um- und Anschlussfinanzierungen, Krediten für Betriebsmittel oder Vorfinanzierung von Forderungen, sagte Wolf. Die Kredite, die die IBB in Kooperation mit den Hausbanken ausreicht, sollen für Unternehmen bereitstehen, die "vom Grundsatz her gesund sind, die aber wegen der Wirtschaftskrise Probleme haben". Für 2010 stellt die IBB für Liquiditätskredite zunächst 50 Mio. Euro bereit. Einzelne Unternehmen können maximal fünf Mio. Euro erhalten, meist liege der Bedarf aber bedeutend niedriger, sagte Wolf. Zudem werde die IBB ihr Mikrokreditprogramm von maximal 10 000 Euro pro Kredit auf bis zu 25 000 Euro ausweiten.

Die Industrie- und Handelskammer begrüßte den Senatsbeschuss zur IBB. "Für gesunde Betriebe darf es auf der Finanzierungsseite keinen Sand im Getriebe geben", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder.

Uneinigkeit der Senatoren

In der IBB reagierte man erleichtert darauf, dass das Geschäft nun endlich neu ausgerichtet wird. Pläne, um neben der nicht mehr gefragten Investitionsförderung die Unternehmen auch mit Liquidität zu versorgen, liegen schon seit Monaten in der Schublade. Aber das Okay des Senats verzögerte sich, weil Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) nach seinem Amtsantritt im Mai viele Fragen hatte. Es habe "nicht einfache Abstimmungen im Senat" gegeben, gab Wolf zu.

Auch die Neubesetzung der IBB-Spitze sorgte für Verzögerungen. Jetzt ist die Bank neu aufgestellt und stellt sich der neuen Aufgabe. "Gerade gesunde Unternehmen mit Zukunftspotenzial sollen auch dann gefördert werden, wenn sich andere Geldgeber in der Krise zurückziehen", sagte der neue IBB-Vorstandschef Ulrich Kissing. Man bemühe sich, die Angebote passgenau auf die Bedürfnisse der Berliner Unternehmen zuzuschneiden. "Nicht wir müssen den Unternehmen sagen, was sie in der Krise brauchen, sondern die Unternehmen uns", so Kissing.

Insgesamt, sagte Wolf, habe die IBB den Umbau von einer Immobilienfinanzierungsorganisation zu einer eigenständigen Förderbank gut vollzogen. Die Leistungen der Wirtschaftsförderung seien von 91,4 Mio. Euro 2004 auf 436,7 Mio. Euro im vergangenen Jahr gesteigert worden.

Aber in diesem Jahr sorgte die Krise für einen Einbruch. Bis zum Ende September 2009 wurden 481,6 Mio. Euro an 1086 Antragsteller ausgegeben. Davon flossen jedoch 310 Millionen Euro für die Finanzierung des Flughafens BBI. Nach Angaben der IBB sei die Zahl der Antragsteller 2009 fast konstant geblieben, aber das Volumen der einzelnen Kredite sei gesunken.

Mit den neuen Instrumenten habe die Landespolitik nun Möglichkeiten geschaffen, um in der Krise gegenzusteuern, sagte Senator Wolf. Trotz positiver Konjunkturprognosen hält Wolf die Krise noch lange nicht für überwunden. Die Talsohle sei zwar erreicht, die Lage aber noch sehr instabil.

"Von einer Trendumkehr kann man noch nicht sprechen", sagte der Senator. Es habe zwar noch keine größeren Insolvenzen in Berlin gegeben, er wisse aber von vielen Unternehmen, vor allem aus der Metallbranche, die "erhebliche Probleme" hätten und über Personalabbau nachdächten, weil der Puffer Kurzarbeit irgendwann nicht mehr ausreiche, um die Einbrüche bei den Aufträgen abzufangen.