Versicherung

Im Pflegefall bleibt eine Kostenlücke

"Das Thema Pflege wird bei den Kunden immer wichtiger", sagt Ulf Niklas, Finanzberater auf Honorarbasis in Berlin. "Weil immer mehr Menschen bei den eigenen Eltern oder Großeltern sehen, wie extrem teuer Pflege werden kann."

Teuer heißt bei der Pflege zum Beispiel: Wer rund um die Uhr versorgt werden muss, zahlt schnell mehr als 3000 Euro pro Monat für einen Heimplatz. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt davon nur gut die Hälfte. Der Rest muss bisher aus Einkommen und Vermögen, von den Kindern - oder von einer privaten Zusatzversicherung bezahlt werden.

2011 aber will die Bundesregierung die Pflegeversicherung rundum reformieren - ein Jahr der Pflege hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ausgerufen. Zentraler Punkt der Reform: Neben die gesetzliche Versicherung, bei der die Gesunden für die aktuell Pflegebedürftigen zahlen, soll eine zweite, kapitalgedeckte Säule gestellt werden. Noch ist nicht endgültig ausgemacht, ob es zu einer staatlich geförderten Privat-Versicherung nach dem Modell der Riester-Rente, zu einer ungeförderten privaten Pflicht-Versicherung oder einer Ergänzung innerhalb des Systems kommen wird. Doch welches Modell es auch wird - die zweite Säule wird Experten zufolge kaum dafür sorgen, dass Pflegebedürftige am Ende tatsächlich entscheidend mehr Geld bekommen.

Problem Heimkosten

"Die Heimkosten werden auch künftig sehr sicher nicht voll bezahlt", sagt Martin Gasche vom Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel. "Die Reform dürfte vor allem dazu da sein, zukünftige Lasten anders zu verteilen." Grund ist die Alterung der Gesellschaft: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis zum Jahr 2050 laut Bundesregierung womöglich auf rund 4,4 Millionen verdoppeln. Zugleich gibt es immer weniger Beitragszahler - weshalb mehr Geld ins System gepumpt werden muss, allein damit das heutige Niveau der Hilfen gehalten werden kann. Und das wiederum bedeutet: Die Pflegelücke bleibt.

Verbraucherschützer und Finanzexperten raten deshalb nach wie vor zu privater Extra-Vorsorge. "Es ist weiter grundsätzlich sinnvoll, eine Zusatzversicherung abzuschließen, weil die Pflegeversicherung wohl eine Teilkasko-Versicherung bleiben wird", sagt Vorsorge-Experte Gasche. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass jeder Bürger nach der Reform seine private Vorsorge etwas anders kalkulieren muss. Denn, fügt Gasche hinzu: "Es kann durchaus sein, dass die Lücke durch die Reform zunächst verkleinert wird."

Wäre es also nicht sinnvoll, erst das Jahr 2011 abzuwarten, um die womöglich Jahrzehnte laufende Versicherung auf festem Grund abschließen zu können? "Man kann natürlich den Gedanken haben zu warten", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Man muss nur die Gefahren, die man eingeht, im Hinterkopf haben." Wer vor Abschluss einer Versicherung erkrankt, dem wird am Ende die Police womöglich bei der Gesundheitsprüfung verweigert. Das könne auch schon jungen Menschen passieren. Jeder, der sich für eine Versicherung interessiert, muss zudem beachten, dass die Beiträge in der Regel mit dem Lebensalter jährlich steigen. Ulf Niklas von der Berliner Honorar-Finanzberatung Niklas & Lehmann sagt, die richtige Strategie mit Blick auf die Reform hänge auch vom Vorsorge-Typ ab. "Wer jetzt gleich in Ruhe schlafen will, der sollte die Versicherung sofort abschließen", sagt er. "Wenn jemand aber abwarten will, kann er das Geld für die Beiträge erst einmal auf die Seite packen." Schließt er die Versicherung nach Abschluss der Reform ab, könne man das Geld beispielsweise auf einen Schlag in eine Pflegetagegeldversicherung einzahlen. Und auch, wer unbedingt sofort abschließen will, könnte mit einer Pflegetagegeldversicherung auf der sicheren Seite sein. "Wer bemerkt, dass er nach der Reform überversichert ist, kann seine Beiträge bei diesen Verträgen einfach reduzieren", sagt Verbraucherschützerin Weidenbach.

Teure Versicherung

Wann auch immer der Vertrag unterschrieben wird, private Pflegeversicherungen sind nicht billig. Eine 45-jährige Frau zahlt für eine sinnvolle Absicherung laut "Finanztest" bei den besten Anbietern mehr als 50 Euro pro Monat, ein gleichaltriger Mann gut zehn Euro weniger. Viel Geld, zumal mit privater Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung bei vielen Menschen der Geldbeutel schon strapaziert ist. Dies erklärt womöglich auch, warum laut "Kundenkompass Altersrisiken" der Gothaer-Versicherung zwar viel Deutsche zwischen 18 und 44 Jahren eine Zusatz-Versicherung wollen, aber wenige abschließen.

Wer sich dafür entscheidet, kann aus drei Modellen wählen. Neben der Pflegetagegeldversicherung gibt es noch die Pflegerenten- und die Pflegekostenversicherung. Meist raten Verbraucherschützer zum Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung. "Der Vorteil der Tagegeldversicherung ist unter anderem, dass sie immer zahlt, auch wenn die Angehörigen pflegen", sagt Berater Niklas. Aber auch die Alternativen sind Experten zufolge nicht grundsätzlich verkehrt. Die Pflegekosten-Versicherung zahlt zwar nur, wenn Rechnungen für professionelle Hilfe vorgelegt werden, kann sich aber trotzdem lohnen. Pflegerentenversicherungen sind flexibler, meist aber teurer.