Tarifkonflikt

Lokführer verursachen Streit zwischen den Bahngewerkschaften

Im Tarifkampf bei der Bahn wird es ernst: Claus Weselsky von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ab 16. Februar Warnstreiks angekündigt. Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Norbert Quitter legt in der "Bild"-Zeitung nach.

"Macht uns die Bahn kein vernünftiges Angebot, werden wir uns wehren - das halten wir lange durch", sagt er und warnt vor einem großen Arbeitskampf wie vor drei Jahren. Die Lokführer bräuchten Schutz. 2007/08 hatten sich die Deutsche Bahn und die GDL einen rund elfmonatigen Tarifkampf geliefert, bei die Lokführer bundesweit mehrfach in den Streik gingen.

Nicht nur gegenüber der Bahn, auch zwischen den Bahngewerkschaften wird der Tonfall rauer. Durch Weselskys Ankündigung vor den Kopf gestoßen, reagiert Alexander Kirchner, Chef der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), mit heftiger Kritik: GDL suche "die Abgrenzung und den Konflikt zu uns", wird er im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitiert. Die GDL wolle mit dieser Maßnahme ihr Organisationsgebiet ausdehnen. Kirchners EVG hatte erst jüngst einen Branchentarifvertrag für alle Bahnbeschäftigten abgeschlossen - darunter die rund deutschen 26000 Lokführer. Viel Lärm um nichts also? Keineswegs. Denn die EVG spricht nur für zehn Prozent der Zugführer, drei Viertel dagegen werden von der GDL vertreten - und diese will nun einen eigenen Tarifvertrag erstreiken.

"Die GDL singt dauernd das Lied der Tarifpluralität", ärgert sich Kirchner. "Wenn es aber die Alternative gibt, spricht Weselsky uns die Berechtigung ab, Tarifverträge zu machen. Jetzt abzuleiten, wir hätten keine Berechtigung zu verhandeln, ist völliger Quatsch." Die GDL verfolgt indes die gleiche Strategie wie schon 2007/08. Die Gewerkschaft wartet, bis die EVG Tarifverträge abgeschlossen hat, um dann dagegen zu wettern.

Der Fahrgastverband Pro Bahn rechnet beim anstehenden Konflikt mit noch härteren Folgen für Bahnkunden. "Ein Arbeitskampf auf dem Rücken der Fahrgäste würde viele für immer verprellen", sagt Verbandssprecher Hartmut Buyken der "Bild"-Zeitung. "Das Ansehen der Bahn hat in den letzten Monaten ohnehin schon stark gelitten", sagt auch der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring. Deshalb dürfe die Bahn durch Streiks nicht unattraktiver gemacht werden.