BayernLB

Ecclestone im Visier der Staatsanwaltschaft

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone gerät im Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky weiter unter Druck. Neue Zeugenaussagen legen nahe, dass doch Ecclestone es war, der an Gribkowsky 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) bezahlt hat.

Bei den Belastungszeugen soll es sich um enge Geschäftspartner und Anwälte handeln, die mit Gribkowsky früher zu tun hatten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Nach Angaben von "Focus" soll sich darunter Gerald Toifl befinden, der als Geschäftsführer der Gribkowsky-Firmen und Vorsitzender von dessen Stiftungen firmierte. Der österreichische Anwalt habe detailliert geschildert, wie der Ex-Banker Gribkowsky ihn dazu gedrängt habe, Druck auf den britischen Formel-1-Manager Ecclestone auszuüben, um ausstehende Honorare einzutreiben. Die Münchner Staatsanwaltschaft vermutet, dass Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB an Ecclestone 50 Millionen Dollar illegal an "Provisionen" kassiert hat. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung. Gribkowsky sitzt seit einem Monat in Untersuchungshaft. Vor seiner Verhaftung hat er betont, bei seinen Millioneneinkünften sei alles in Ordnung gewesen. Sein Anwalt will sich während der laufenden Ermittlungen nicht öffentlich äußern.

Seit Neustem prüft die Staatsanwaltschaft offenbar auch ein Vorgehen gegen Bernie Ecclestone. Die Strafverfolger vermuten, Gribkowsky sei geschmiert worden, damit die Landesbank ihren früheren Formel-1-Anteil viel zu billig verkaufte. So konnte Ecclestone weiter der unangefochtene Chef der Rennserie bleiben.

Die BayernLB hatte - auf Vorschlag ihres damaligen Vorstandsmitglieds Gerhard Gribkowsky - ihre Formel-1-Anteile Ende 2005 an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft. In den folgenden Jahren erhielt der Münchner Banker dann von zwei Briefkastenfirmen das Beratungshonorar, das ihm jetzt zum Verhängnis wurde. Man sei davon ausgegangen, dass es sich bei den beiden Gesellschaften um Firmen handele, die von Ecclestone kontrolliert würden, sollen Gribkowskys frühere Vertraute bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben.

Derweil wird Ecclestone nicht müde, öffentlich zu erklären, dass er nichts von den Zahlungen an Gribkowsky wisse und damit auch nichts zu tun habe. Und auch die Investmentgesellschaft CVC hat erklärt, der Einstieg in die Formel 1 sei korrekt abgelaufen.

Nach einem Bericht des "Spiegel" hat die Affäre um die Zahlungen an Gribkowsky aber offenbar noch größere Ausmaße als bislang bekannt. Neben dem Banker soll auch Ecclestone selbst nach dem Verkauf des ehemaligen BayernLB-Aktienpakets Geld bekommen haben. Nach internen Unterlagen der Bank habe der damalige Erwerber, CVC, 837 Millionen Dollar für die 50-Prozent-Beteiligung an der Motorsportgruppe gezahlt - deutlich weniger, als die Anteile nach Vermutung der Staatsanwaltschaft tatsächlich wert waren. In den Büchern der BayernLB seien davon jedoch nur 770 Millionen Dollar angekommen. Eine Tranche von 40 Millionen Dollar soll direkt in Ecclestones Tasche geflossen sein, weitere 27 Millionen Dollar seien angeblich bei dessen Familienfirma Bambino-Holding gelandet.