Konjunkturumfrage

Berlins Arbeitgeber erwarten für 2011 sehr gute Geschäfte

Experten mögen sich um den Euro sorgen und vor gebremstem Wachstum warnen - die Berliner Unternehmen lassen sich davon nicht die Stimmung verhageln. Im Gegenteil: Sie erwarten beste Geschäfte für 2011 und wollen deshalb Personal und Investitionen aufstocken.

Das ergibt sich aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Berliner Morgenpost unter den größten Arbeitgebern der Stadt. Jede zweite Firma (52 Prozent) geht davon aus, dass ihr Geschäft in diesem Jahr noch besser laufen wird als 2010 schon, und mehr als jeder dritte Betrieb (38 Prozent) will in den kommenden Monaten mehr Mitarbeiter einstellen.

Selbst die Debatte um den Euro lässt einen Großteil der Unternehmen kalt: Auf die Frage, inwiefern sich eine Euro-Krise auf ihr Geschäft auswirken könnte, antworteten 17 der 31 teilnehmenden Unternehmen, sie würden "kaum" oder "gar nicht" belastet. Immerhin 14 erklärten aber auch, die Folgen seien derzeit nicht absehbar. Auffällig ist allerdings, dass sich keines der Unternehmen durch ein Währungsdebakel "stark" gefährdet sehen würde.

Schon bei den Morgenpost-Umfragen von Ende 2008 und Ende 2009 hatten sich die Top-Arbeitgeber der Hauptstadt selbst mitten in der Weltwirtschaftskrise als ausgesprochen optimistisch erwiesen - und das zu Recht. Kein anderes Bundesland kam so glimpflich durch die Krise und so früh wieder heraus. Jetzt ist die Stimmung geradezu euphorisch. Bei der letzten Umfrage hatten bereits 79 Prozent der Firmen erklärt, 2010 erwarteten sie für ihr eigenes Geschäft eine positive Entwicklung, diesmal sind es sage und schreibe 87 Prozent. Drei Unternehmen ließen die Antwort mit Verweis auf die noch anstehenden Bilanzpressekonferenzen offen, und lediglich der Pharmahersteller Sanofi-Aventis rechnet mit einem Einbruch seiner Geschäfte.

Tatsächlich ist die Pharmabranche die einzige, an der die Euphorie des Aufschwungs vorbeigeht. Der Grund ist die Gesundheitsreform, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Seither können die Pharmaunternehmen die Preise für neu entwickelte Medikamente nicht mehr einseitig festlegen, sondern müssen zuerst den Zusatznutzen nachweisen und dann den Preis mit den Krankenkassen aushandeln. Vielleicht noch schmerzlicher für die Firmen ist aber, dass Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Herstellerrabatte, die die Unternehmen für ihre Medikamente an die Krankenkassen abführen müssen, erhöht hat.

"Im vergangenen Jahr haben wir auf jedes Medikament, das wir verkauft haben, sechs Prozent Rabatt gezahlt", erläutert Tilman Kießling, Pressesprecher der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. "In diesem Jahr werden es 16 Prozent sein - das sind bei jedem Medikament, das wir verkaufen, zehn Prozent weniger Erlös." Durch die neuen Zulassungsregeln komme zusätzlicher Preisdruck in die Branche, sagt Kießling. "Alles das schlägt sich in unseren Geschäftserwartungen nieder." Und in der Personalentwicklung: In Deutschland wird sich Sanofi-Aventis in diesem Jahr voraussichtlich von 300 seiner etwa 9400 Mitarbeiter trennen. Auch Wettbewerber Bayer Schering kündigte bei der Umfrage als eines von vier Unternehmen einen Stellenabbau an.

Fast alle anderen Unternehmen wollen ihr Personal 2011 auf gleichem Stand halten (13 Firmen), zwölf wollen es sogar aufbauen. Vor einem Jahr galt letzteres nur für sechs Betriebe. 20 der befragten Unternehmen werden auf jeden Fall freie Stellen neu besetzen, acht halten sich diese Option noch offen, nur drei Unternehmen werden nicht neu einstellen. "Wir kommen mit vollem Schwung aus der Krise", heißt es zum Beispiel bei Siemens. In Deutschland hat der Industriekonzern, der weltweit insgesamt 405 000 Mitarbeiter beschäftigt, zurzeit 3000 Stellen offen.

Bei so viel Aufschwung muss auch investiert werden. Fast jedes zweite Berliner Großunternehmen will das Volumen gegenüber 2010 steigern; jedes dritte das Niveau halten. Nur sechs Firmen legen sich hier noch nicht fest. Kürzungen sind in diesem Bereich von niemandem vorgesehen, nicht einmal in der Pharmabranche. "Wir sind ein forschendes Unternehmen", sagt Sanofi-Sprecher Tilman Kießling. "Um die Entwicklung von Medikamenten zu befeuern, braucht man Investitionen." Bisher seien hier keine Streichungen geplant.

"Die Berliner Wirtschaft hat es geschafft, sehr früh wieder aus dem konjunkturellen Tal zu kommen", sagt Harald Eisenach, der bei der Deutschen Bank Berlin und Nordostdeutschland für das Firmenkundengeschäft zuständig ist. "Viele Berliner Unternehmen haben vor der Krise ihre Kostenposition verbessert. So haben sie die zurückgehende Zahl der Aufträge besser abfedern können." Er sei zuversichtlich, dass sich die Hauptstadtregion 2011 wirtschaftlich gut entwickele, sagt Eisenach: Ein "starker Katalysator" sei der neue Flughafen in Schönefeld. Die bessere Anbindung an den internationalen Luftverkehr und die hohe Lebensqualität in Berlin seien für Investoren klare Pluspunkte.

"Der neue Flughafen in Schönefeld ist ein starker Katalysator"

Harald Eisenach, Deutsche Bank Berlin