Gemeinschaftswährung

Lagarde und Schäuble verkünden Ende der Euro-Krise

Die Finanzminister von Deutschland und Frankreich sind überzeugt, dass der Höhepunkt der Euro-Krise überschritten ist.

Christine Lagarde, die französische Finanzministerin, verwies auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Bergort Davos darauf, dass der europäische Rettungsfonds EFSF in dieser Woche erfolgreich Geld am Kapitalmarkt aufgenommen habe. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass die Währungsunion das Vertrauen der Märkte zurück gewonnen habe. Die Euro-Zone sei in dieser Hinsicht "über den Berg".

Lagardes deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble zeigt sich ebenfalls optimistisch. "Ich glaube, dass das Euro-Gebiet stabil sein wird", sagte der CDU-Politiker in Davos und warnte Anleger davor, noch gegen den Euro zu wetten. "Wir sind völlig überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden", sagte Schäuble.

Die Europäer würden die Instrumente schaffen, die nötig seien, um die Euro-Zone in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung zu erhalten, kündigte der Minister an. "Wir werden unsere gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik harmonisieren, um die Wettbewerbsfähigkeit in allen Mitgliedstaaten zu verbessern."

Der Londoner Spitzenbanker Robert Diamond, der mit Lagarde und Schäuble auf einem Podium saß, zeigte sich dagegen skeptisch. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand sagt, die Volatilität sei völlig von den Märkten verschwunden", sagte der Vorstandschef der britischen Großbank Barclays und verwies auf die hohe Verschuldung einiger europäischer Länder. Letztlich sei nur aus einem akuten Problem ein chronisches geworden.

Die erste Anleihe war dem Euro-Rettungsfonds am vergangenen Dienstag regelrecht aus den Händen gerissen worden. Die Nachfrage der Investoren war neunmal so groß wie die fünf Milliarden Euro, die der Fonds aufnahm. Wegen des großen Erfolges plant der Fonds noch im ersten Halbjahr dieses Jahres einen weiteren Bond zur Finanzierung der Irland-Hilfen. Das Papier komme mit einem Volumen von drei bis fünf Milliarden Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren, sagte der Finanzvorstand des EFSF-Fonds, Christophe Frankel, der "Börsen-Zeitung". Die Anleihe werde voraussichtlich im zweiten Quartal aufgelegt.

Angesichts der Entspannungszeichen in der europäischen Schuldenkrise warnten Wolfgang Schäuble und die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger davor, in der Debatte um den Euro-Rettungsschirm nach immer neuem Geld zu rufen. "Wer die Debatte auf diese Frage konzentriert, verhindert, dass wir zu einer tragfähigen Gesamtlösung kommen", sagte Schäuble der "Wirtschaftswoche". Die EU-Kommission und einige EU-Partner hatten eine Aufstockung des Schirms verlangt, der bislang 750 Milliarden Euro zur Rettung von überschuldeten Euro-Staaten wie Irland enthält. Damit soll sichergestellt werden, dass im Notfall auch weiteren Staaten wie Portugal oder Spanien unter die Arme gegriffen werden kann.

Schäuble bestätigte derweil Pläne, Gläubiger des hochverschuldeten Griechenlands an einer Entlastung des Euro-Staates zu beteiligen. "Wir denken darüber nach, ob wir die Laufzeiten der Kredite verlängern sollten", sagte er. Eine Umschuldung lehnte der CDU-Politiker ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte zur Bewältigung der Währungskrise erneut einschneidende Sozialreformen in vielen EU-Ländern an. "Solidarität darf es nicht zum Nulltarif geben", sagte sie am Samstag. Es könne nicht sein, dass in manchen EU-Ländern ein Renteneintrittsalter von 60 Jahren gelte, während es in Deutschland schrittweise auf 67 angehoben werde.