Förderung

Berlin will Energietechnik voran bringen

In der brandenburgischen 20 000-Einwohner-Stadt Forst nahe der polnischen Grenze werden bald 1700 Haushalte ihren Strom-und Gasverbrauch täglich überwachen können. Die Berliner Gasag baut dort in ausgesuchten Häusern und Wohnungen digitale Gas-, Wasser, Strom- und Wärmezähler ein.

Sie melden dem Verbraucher über eine Anzeigetafel in der Wohnung, wie viel Energie sie gerade verbrauchen - ob beim Baden oder Kochen. Gleichzeitig fließen die Daten per Funk auch an den Versorger, der so seine Produktion besser steuern kann. Forst ist laut Gasag-Prokurist Carsten Beier ein Testfeld, bevor die Technik flächendeckend in Berlin eingeführt werden kann. Der Versorger entwickele die "Smart Metering" genannte Mess- und Übertragungstechnik aber auch, um sie bald als kostenpflichtige Dienstleistung anzubieten, sagte Beier.

Das Projekt ist typisch für eine Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft. Künftig wollen die Länder Berlin und Brandenburg solche Kontakte in der Hauptstadtregion stärken. Deshalb haben sie jetzt einen Innovationsverbund Energietechnik gegründet. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf und der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide Linke) verkündeten am Montag in Potsdam das Ziel, "eine über Deutschland hinaus wirkende europäische Innovationsregion zu werden". Beide Länder hatten vor kurzem angekündigt, bei der Unterstützung von Zukunftstechnologien nach einheitlichen Richtlinien vorzugehen. Ziel sei eine einfache Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft über Landesgrenzen hinweg. Davon sollen kleine und mittelständische Unternehmen profitieren. Der Bereich Energietechnik wird von der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) in Potsdam geleitet, die dafür fünf neue Mitarbeiter einstellen will. Arbeitsbeginn soll der 1. März sein.

Unter der Regie von Berlin arbeitet bereits der Innovationsverbund Gesundheitswirtschaft. Für die Bereiche "Mobilität", "Informations- und Kommunikationstechnologie/Medien" sowie "Optik" ist die Gründung von Clustern vorgesehen. Bei der jüngsten länderübergreifenden Zusammenarbeit geht es nun um die Bereiche Solarenergie, Turbomaschinen und Kraftwerkstechnik, Energienetze und -speicher/E- Mobilität, Effizienztechnologie sowie Windenergie/Bioenergie. Über die verstärkte Kooperation sollten künftig mehr Aufträge für die Industrie - etwa die Produktion von Solarzellen oder Kraftwerksturbinen - in der Region bleiben

Sprecher des Innovationsverbundes ist der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Professor Reinhard Hüttl. Der Erdwissenschaftler verwies darauf, dass in der Region seien in der Branche mehr als 500 Unternehmen mit etwa 47 000 Mitarbeitern sowie 35 wissenschaftliche Einrichtungen tätig seien. Neue Wege für die Energiegewinnung sollen zum Beispiel auch mit einem neuen Hybridkraftwerk in der Uckermark erforscht werden, das in diesem Sommer in Betrieb gehen soll. Durch Wind, Biomasse und Wasserstoff soll dort Strom erzeugt werden.