Standort

Daimler regelt den Berlin-Umzug

Der Autohersteller Daimler baut seine Finanzdienstleistungssparte um - und diese Umstrukturierung geht, zumindest auf den ersten Blick, zu Lasten des Standorts Berlin. Die Geschäftsaktivitäten sollen bis Ende 2012 von bislang neun auf drei deutsche Standorte konzentriert werden, meldete der Stuttgarter Konzern.

Im Zuge der Neuaufstellung zieht die Zentrale von Daimler Financial Services von Berlin nach Stuttgart um und wird mit der Zentrale der Mercedes-Benz Bank zusammengelegt. So rücken die Finanzdienstleistungen enger an die Daimler-Fahrzeugsparten heran, die von Stuttgart aus gesteuert werden.

Der Umzug ist einer der Eckpunkte zur Neuordnung der Daimler-Finanzdienstleistungssparte in Deutschland, auf den sich Daimler Financial Services und deren deutsches Tochterunternehmen, die Mercedes-Benz Bank, jetzt nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall verständigt haben.

Doch die Hauptstadt bekommt einen Ausgleich für den Verlust der Finanzzentrale, wenn auch die Arbeitsplätze nicht mehr so "hochwertig" sein werden: Die Mercedes-Benz Bank wird ein neues Service-Center mit 550 Mitarbeitern im Großraum Berlin einrichten. Der genaue Standort ist bisher nicht bekannt. Der Konzern sucht offenbar noch nach einer Immobilie. Dort soll das Finanzdienstleistungsgeschäft für gewerbliche Kunden zusammengeführt werden, das derzeit noch in acht regionalen Geschäftsstellen bundesweit ansässig ist.

Berlin profitiert davon: Weil 300 der 400 Mitarbeiter mit dem Umzug der Daimler-Financial-Services-Zentrale aus der Hauptstadt nach Stuttgart ziehen, aber 550 Mitarbeiter künftig in Berlin beispielsweise Kreditanträge von Mercedes-Käufern prüfen, ergibt sich ein Plus von 150 Arbeitsplätzen. "Mittelfristig sind noch einmal zusätzliche 150 Stellen geplant", sagte ein Mercedes-Sprecher. Denn in einem weiteren Schritt soll das neue Service-Center auch europäische Aufgaben übernehmen.

Insgesamt stellt Daimler aber zunächst seine Finanzdienstleistungssparte schlanker auf und streicht 250 Arbeitsplätze. Die Zahl der Jobs bei Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank in Deutschland sinkt von 1850 auf 1600. Betriebsrat und Unternehmen einigten sich im Gegenzug darauf, betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2017 auszuschließen.

Mit der geringeren Zahl der Standorte will Daimler mittelfristig 40 Millionen Euro pro Jahr einsparen. In Berlin stören den Konzern vor allem die hohen Mietzahlungen. Das Daimler-Gebäude-Ensemble am Potsdamer Platz gehört seit einigen Jahren einem Immobilienfonds der SEB-Bank. Daimler hat die Büros dort nur gemietet, die Verträge laufen in einigen Jahren aus.

Zum anderen geht es um die Personalkosten. Für die Berliner Mitarbeiter gilt der Tarifvertrag des Landes Baden-Württemberg, der unter anderem die 35-Stunden-Woche vorsieht. Würde Daimler nur ein paar Meter weiter nach Osten ziehen, etwa an den Leipziger Platz, dann würde der Metall-Tarifvertrag für Berlin und die Ost-Länder gelten. Darüber wird wohl noch bis Jahresende verhandelt. Derzeit laufe alles auf einen Haustarif hinaus, sagte der Mercedes-Sprecher.

Daimler hatte seine Pläne bereits im Frühjahr verkündet und damit eine Welle des Protests ausgelöst. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Hunderte Mitarbeiter auf die Straße gegangen. Jeden Mittwoch protestierten beispielsweise die Berliner Mitarbeiter auf dem Potsdamer Platz. Und nicht nur dort, denn die Sparte wirbelt alles munter durcheinander.

Die Neuordnung der Mercedes-Bank führt zu einem regelrechten Ringtausch in Deutschland. Mitarbeiter wechseln nicht nur von Berlin nach Stuttgart. Andere kommen aus Schwaben in die Hauptstadt oder müssen nach Saarbrücken. Hier wird schwerpunktmäßig vor allem das Direktbankgeschäft und das Privatkundengeschäft wie Leasing, Fahrzeugfinanzierungen und Kfz-Versicherungen abgewickelt. Angesichts der Proteste setzten sich Unternehmensleitung, Betriebsrat und IG Metall noch einmal an einen Tisch und diskutierten die Einzelheiten.

Das Ergebnis: Mit rund 500 Stellen sind dem Unternehmen zufolge nach den neuen Plänen nur noch halb so viele Arbeitsplätze von den Umzügen betroffen wie ursprünglich vorgesehen. Mitarbeiter, die an ihrem Standort bleiben wollen, obwohl ihr Job verlagert wird, können nach Angaben der Gewerkschaft frühestens zum 31. Dezember 2017 gekündigt werden. Für die Beschäftigten, die mit umziehen, gilt die Beschäftigungsgarantie sogar bis Ende 2019. Weitere Einzelheiten des Sozialplans sollen in den nächsten Wochen noch verhandelt werden.

Daimler Financial Services betreute Ende Juni ein Vertragsvolumen von 63,8 Milliarden Euro. Die Sparte finanziert und verleast jeden zweiten Pkw und jedes vierte Nutzfahrzeug von Daimler. Weltweit hat Daimler Financial Services rund 6000 Mitarbeiter und ist in 40 Ländern aktiv.