Verbraucher

Energiekosten treiben die Inflation

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind 2010 um 1,1 Prozent gestiegen. Teurerer wurden vor allem Sprit, Heizöl und Tabak, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Allein im Dezember mussten die Verbraucher für ihre Lebenshaltung 1,7 Prozent mehr ausgeben als vor einem Jahr. Das ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2008.

Im Vergleich zum Vormonat gab es mit plus einem Prozent sogar den kräftigsten Anstieg seit sechs Jahren. In der Euro-Zone lag die Inflation im dezember bei 2,2 Prozent, und hat seit langem wieder den Wert von zwei Prozent überschritten, von dem an die Europäische Zentralbank die Preisstabilität gefährdet sieht.

Bundesbank-Präsident Axel Weber freute sich über eine "bemerkenswerte Verbesserung" der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, warnte jedoch: "Nichtsdestotrotz könnten die Risiken für die Preisstabilität, die derzeit noch ausgeglichen sind, zunehmen." Deshalb sei es aus Sicht der Geldpolitik extrem wichtig, die Entwicklung der Preise in der nächsten Zeit genau zu beobachten.

Weber bekräftigte damit die Botschaft von Jean-Claude Trichet, des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), der Finanzmärkte und Öffentlichkeit mit einer Warnung vor steigender Inflation aufgeschreckt und mittelfristig selbst eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen hatte. Wie Trichet betonte nun auch Weber, dass trotz kurzzeitig höherer Inflationsraten mittelfristig derzeit noch nicht von einem nachhaltigen Anstieg der Teuerung auszugehen sei.

Der Chefvolkswirt Deutschland der Unicredit-Bank, Andreas Rees, erwartet, dass das Thema Preise 2011 wieder stärker in die öffentliche Wahrnehmung rückt. "Die Menschen bekommen die Kombination aus steigenden Ölpreisen und steigenden Nahrungsmittelpreisen zu spüren", sagte Rees. Zusätzlich stehen bereits im Februar Lohnverhandlungen für die rund 550 000 Beschäftigten in der Chemie-Branche an. Die IG BCE strebt eine Lohnerhöhung von "sechs bis sieben Prozent" an. "Steigende Löhne würden die Inflation zusätzlich antreiben", sagte Rees.

Auch der finnische Notenbank-Gouverneur Erkki Liikanen rief dazu auf, die Teuerung stärker im Auge zu behalten. "Wenn wir auf die Inflationserwartungen schauen, dann gibt es noch keine großen Sorgen. Aber wir müssen immer mehr Wachsamkeit walten lassen", wenn die EZB-Inflationsmarke überschritten werde, sagte Liikanen dem Sender "MTV3".

Das gegenwärtige Leitzinsniveau betrachten Liikanen, Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark so wie Trichet auch nach wie vor als angemessen. Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins auf dem Rekordtief von einem Prozent gehalten. Stark sagte, die EZB müsse abwarten, wie sich die Teuerung in nächster Zeit entwickle, bevor sie Schlüsse ziehen könne: "Ob die Aufwärtsrisiken, von denen wir gesprochen haben, eintreten werden, kann heute niemand sagen. Wir müssen abwarten und sehen."

Die Verbraucher in Deutschland belasteten im 2010 vor allem die Preise für Heizöl, die im Jahresverlauf um 22,6 Prozent zulegten. Die Autofahrer bezahlten laut Statistik für Superbenzin im Jahresschnitt 10,6 Prozent, für Diesel sogar 11,2 Prozent mehr. Nach Angaben des ADAC war 2010 das teuerste Jahr aller Zeiten für die Autofahrer. Die Entwicklung hielt im neuen Jahr an: In der zweiten Januarwoche hatten die Benzinpreise den absoluten Höchststand des vergangenen Jahres bereits überschritten. So kostete Sprit teilweise mehr als 1,50 Euro je Liter.

Den größten Preissprung in den Supermärkten machten den Statistikern zufolge die Preise für Butter. Sie legten im vergangenen Jahr um 23,7 Prozent zu. Außerdem verteuerten sich die übrigen Speisefette und -öle, insgesamt um 8,7 Prozent, sowie Gemüse (6,3 Prozent), Obst (5,2 Prozent) und Fisch (3,6 Prozent). Für 2011 erwarten Experten, dass die Lebenshaltungskosten weiter anziehen werden.

Vor allem zum Jahresende gewann den Statistikern zufolge im vergangenen Jahr der Preisauftrieb weiter an Fahrt: Im Vergleich zum November seien die Verbraucherpreise im Dezember "deutlich" um ein Prozent gestiegen. Preistreiber seien dabei, wie auch im gesamten Jahresverlauf, vor allem Heizöl und Kraftstoffe gewesen.

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