Unternehmen

Passfotos zum Selbermachen

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Kathrin Gotthold

"Ein Büro brauche ich eigentlich gar nicht", sagt Konstantin Kutzer, Gründer und Geschäftsführer von clickyourpic.de, und lehnt sich im gemütlichen Wohnzimmer des Gründerhauses an der Freien Uni Berlin in seinem Stuhl zurück.

Nichtsdestotrotz hat ihm Profund, die Gründungsorganisation der Freien Universität, eigene Räume für seine Idee, sein Unternehmen zur Verfügung gestellt. "Kurz zusammengefasst: Mit clickyourpic kannst du Passfotos von zu Hause aus mit der Webcam machen." Ungestört, ohne einen Fotografen.

Das Onlinetool ist selbsterklärend. Der User entscheidet sich, ob er Pass- oder Bewerbungsfotos haben möchte. Dann wirft die eigene Webcam das Bild in einen Kasten auf dem Bildschirm. Hat man sich für Passfotos entschieden, bietet clickyourpic noch ein Schmankerl: Eine "Maske", die die Erstellung biometrischer Fotos erleichtert, wie wir sie schon heute für den Personalausweis und Pass benötigen und künftig für andere Papiere brauchen werden.

Jetzt noch den Kopf entsprechend der biometrischen Maske ausrichten und in die Kamera schauen. Nach dem Auslösen hat man drei Sekunden Zeit. Klick - das Foto ist auf dem Bildschirm. Dieses Spielchen lässt sich wiederholen. Bis ein passendes Bild dabei ist. Dann geht's zur virtuellen Kasse. Name eingeben, und bezahlt wird per Bankeinzug. Innerhalb von drei Werktagen soll man seine Fotos dann in Händen halten.

Kutzer will sein Konzept auch an Behörden und Unternehmen verkaufen. "Ich bin schon mit einigen Stellen im Gespräch, gerade überzeuge ich Universitäten davon, mein Tool auf ihre Website zu übernehmen. Zur Erleichterung der Immatrikulation", sagt der Student der Kommunikationswissenschaften. Schier unbegrenzt sind die Anwendungsbeispiele, die er vorbringen kann: Behörden könnten das Tool zur leichteren Beantragung von Pässen, Visa und Führerscheinen einsetzen. "Auf Berlin.de kann man ja mittlerweile einiges machen. Zum Beispiel den Führerschein beantragen." Da fehle nur noch eines, nämlich dass man auch direkt sein Foto machen könne.

Auch die Bahn, oder besser Bahn.de, hat Konstantin Kutzer bereits im Visier. "Das ist doch bisher noch so umständlich, eine Bahncard zu bekommen. Man kann den Antrag online ausfüllen, und dann schickt man per Post ein Foto hinterher oder stellt sich an einer langen Schlange am Schalter an, um es abzugeben", sagt der Firmengründer.

Woher er das Wissen habe, ein kleines Unternehmen zu leiten? "Professor Faltin von der Freien Universität unterstützt mich sehr, er hat mich zum Beispiel am Anfang durch den Dschungel der Formalitäten gelotst." Zudem habe er "für jeden Bereich Experten an meiner Seite". Ein Programmierer erstellte das Webtool, ein Labor druckt die Bilder und schickt sie inklusive Rechnung an den Kunden, ein Steuerberater kümmert sich um Steuern und Finanzen. "Gründen aus Komponenten nennt sich der Gedanke, der hinter diesem Konzept steht", sagt Konstantin Kutzer, der sich wieder in seinem Stuhl zurücklehnt. Zu tun habe er trotzdem einiges: Kundenakquise, PR, Marketing - da bleibe schon noch Arbeit übrig. "Und das macht alles richtig Spaß."