Farmville

Facebook kämpft gegen neue Datenpanne

Die Kette der Datenschutzskandale beim Sozialen Netz Facebook im Internet reißt nicht ab. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sind Informationen von Facebook-Nutzern an mehrere Dutzend Werbeunternehmen und Firmen weitergeleitet worden, die Bewegungen von Websurfern auswerten. Dem Bericht zufolge sind mehrere Millionen Menschen betroffen.

Die Datenlücke wird von einer Vielzahl von Anwendungen ausgenutzt, die auf der Facebook-Plattform laufen. Dazu gehören die zehn beliebtesten Programme, einschließlich des Spiels Farmville von Zynga. Von den mehr als 500 Millionen Facebook-Mitgliedern nutzen monatlich 70 Prozent diese zusätzlichen Programme. Allein Farmville spielen 59 Millionen Internetnutzer.

Bei der Sicherheitslücke handelt es sich um die Weitergabe von Identifikationsnummern der Facebook-Nutzer. Üblicherweise wird beim Surfen im Internet automatisch ein Verweis erzeugt, der der Internetseite, die man ansteuert, zeigt, von welcher Internetseite aus man kommt. So kann also www.morgenpost.de sehen, dass ein Internetleser von www.google.de aus die Seite ansteuert, erkennt aber nicht, wer das ist. Webseitenbetreiber arbeiten seit Jahren mit dieser Technik, um ihren Internet-Auftritt zu verbessern. Bei Facebook war zusätzlich die Identifikationsnummer des Facebook-Nutzers Teil des Verweises. Über den Verweis bei Facebook konnten folglich die Namen der Facebook-Mitglieder und Informationen, die sie für alle zugänglich gemacht haben, ausgelesen werden. Werbefirmen könnten so Nutzer-Profile ermitteln.

Facebook hat die Anwendungen inzwischen abgeschaltet, die die Nutzer-Identifikationsnummern auslesen. Man habe die Zugriffsmöglichkeiten "drakonisch eingeschränkt". Das Netzwerk hatte erst im Juni nach einer Untersuchung der kanadischen Datenschutzbehörden den Zugriff von Anwendungen auf den öffentlichen Teil der Nutzerprofile beschränkt.

Bei der jüngsten Panne war offenbar vielen Entwicklern nicht klar, dass ihre Anwendungen auf diese Identifikationsnummern zugreifen. Zynga hat mit Farmville in diesem Fall sogar die eigenen Bestimmungen verletzt, die festlegen, dass Informationen, die Nutzer identifizieren können, nicht an Werbeunternehmen weitergegeben werden dürfen.

Facebook gerät wegen Datenschutzlücken immer häufiger in die Kritik. Am Wochenende hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, dass E-Mail-Kontakte von Nichtmitgliedern ausspioniert werden können, wenn man sich mit der E-Mail-Adresse eines Nichtmitgliedes bei Facebook anmeldet. Bei der Anmeldung prüft Facebook nicht, ob das neue Mitglied tatsächlich im Besitz der angegebenen E-Mail-Adresse ist. In der Folge schlägt das Netzwerk eine Liste mit Mitgliedern vor, die die angegebene E-Mail-Adresse in ihren persönlichen Adressbüchern stehen haben, die beispielsweise unter Googlemail gespeichert sind.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht durch diese Praxis internationales Recht verletzt. Er habe die US-Verbraucherschutzbehörde aufgefordert, dies abzustellen, sagte Schaar. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert von der Internetbranche sichtbare Konsequenzen aus Datenschutzmängeln. In der Branche müsse ein Umdenken einsetzen, sagte sie. Verbraucherfreundlichkeit, Datenschutz und Transparenz seien längst bestimmend für wirtschaftlichen Erfolg im Internet.