Automobilindustrie

Daimler baut Standort Berlin aus

Es ist eine Last mit den Lastern für Daimlerchef Dieter Zetsche. Während der Gesamtkonzern im dritten Quartal nach einem desaströsen ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen schreibt, schwächelt das Geschäft mit den Nutzfahrzeugen weiterhin. Ein Minus von 127 Mio. Euro hat die Sparte im abgelaufenen Quartal eingefahren.

Nun will Zetsche den Sparkurs verschärfen, in Berlin dagegen investiert der Autobauer weiter kräftig in seine Brummi-Sparte. Gestern eröffnete Daimler in Neukölln an der A 113 vor großem Publikum das größte und modernste Nutzfahrzeug-Zentrum des Konzerns in Europa. "Es gibt kein Patentrezept gegen diese Krise. Aber eines ist klar: Nur mit perfekter Kundenbetreuung kommen wir voran. Darum investieren wir hier", sagte Hubertus Troska, Leiter Mercedes-Benz-Lkw.

Möglichst geringe Standzeiten

Unter perfekt versteht Daimler beispielsweise eine Fußbodenheizung in den Servicehallen. Oder ein Bett für Fernfahrer, wenn die nicht mehr am Tag weiterkommen, weil an den Lastern noch gearbeitet wird. Was sich wie Luxus anhört, sind in Wahrheit Punkte, die das Geschäft effektiv machen und neue Kunden locken. Warme Böden bedeutet trockene und damit saubere Grundflächen in den Hallen - und weniger Reinigungskosten. Und ein Bett für den Fahrer auf Daimlerkosten wird einige Spediteure verleiten, die neue 62 000 Quadratmeter große Anlage in Rudow anzusteuern. "Wir wissen, dass für Spediteure Zeit Geld ist. Steht ein Lkw drei bis vier Tage, ist der Gewinn für den Unternehmer aufgebraucht", sagte Troska.

Damit die Standzeiten möglichst gering sind, gibt es einen 24-Stundenservice. Und wenn ein Ersatzteil fehlt - kein Problem. "Wir haben vor Ort 10 000 zusätzliche Teile gegenüber dem üblichen Lagerbestand. Alle weiteren Teile beschaffen wir hier innerhalb von sechs Stunden", sagte der Leiter für Mercedes-Lkw, Troska.

Millionenbetrag investiert

Einen zweistelligen Millionenbetrag investiert Daimler in die Anlage in Rudow. Die Arbeiten an dem Zentrum, von dem es künftig 100 mit entsprechendem Standard in ganz Deutschland geben soll, begannen vor zehn Monaten. "Als Ergebnis bietet das neue Nutzfahrzeug-Zentrum alles, was unsere Kunden und die Trucker brauchen", sagte Walter Müller, Direktor der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin. "Eine gute Verkehrsanbindung durch unmittelbare Nähe zur Aus- und Auffahrt der Autobahn A 113, riesige Flächen fürs Rangieren und Abstellen der Laster, neueste Technik für die Fahrzeugwartung und praktisch jede denkbare Serviceleistung."

Dass die Standortwahl auf das südliche Neukölln fiel, hat damit zu tun, dass Daimler möglichst nah an den Kunden sein will. "Früher war die Wirtschaft Berlins vor allem in Tempelhof, Reinickendorf und Spandau stark, jetzt boomt der Südosten. Gute Lagen sind kaum mehr zu bekommen oder teuer, wir sind dort nahe dem künftigen Flughafen BBI sowie dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof optimal aufgestellt", so Müller. "Und in welcher Stadt gibt es das schon: Auf einer Brache entsteht ein Betrieb, dann ist Eröffnung, man legt den Schalter um und die Kunden kommen. Wir glauben an die Zukunft der deutsche Hauptstadt und der Umlandregion", sagte der Chef der Hauptstadtniederlassung.

Wirtschaftsenator Harald Wolf (Linke) nannte die Investition Daimlers "eine Stärkung für den Standort Berlin". Die Niederlassung Berlin, mit dem zentralen Pkw-Standort am Salzufer, erzielte zuletzt ein Drittel ihres Umsatzes im Nutzfahrzeug-Geschäft. "Daimler hat hier in Berlin schwarze Zahlen geschrieben und wird das in diesem Jahr wieder tun", sagte Müller. "Das Geld des Konzerns ist in der Hauptstadt gut angelegt." Von den 245 Mitarbeitern im Nutzfahrzeug-Geschäft arbeiten 110 in dem neuen Zentrum in Neukölln. "Ein Großteil der Belegschaft ist von anderen Standorten umgezogen, aber wir schaffen hier auch zwanzig neue Arbeitsplätze", sagte Müller.

Weitere Informationen www.morgenpost.de/wirtschaft