Banken

LBB kommt die Eigentümer teuer zu stehen

Es gibt eine Sache, über die sich Freunde und Feinde Thilo Sarrazins einig sein dürften: Sarrazin liebt es, recht zu haben. Somit dürfte dem früheren Berliner Finanzsenator und aktuellen Bestsellerautor gefallen, was derzeit die rund 400 Sparkassen der Bundesrepublik bewegt. Sie müssen als Eigentümer 430 Millionen Euro Abschreibungen auf ihre Beteiligung an der Landesbank Berlin (LBB) vornehmen.

Was wiederum bedeutet: Der ehemals landeseigene Bankkonzern wurde zu einem überhöhten Preis verkauft. Sarrazin kann sich bestätigt sehen. Mehr als fünf Milliarden Euro hat der Verkauf des Instituts 2007 in die Landeskasse gespült. "Es war wahrscheinlich einer von Sarrazins größten Erfolgen", witzelt heute ein Sparkassenmanager. Sarrazin wird das Lob freuen.

Schon damals hatten viele geunkt, der Preis für die LBB - insgesamt waren es rund 6,4 Milliarden Euro - sei viel zu hoch. Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV), Dachorganisation der Institute, wollte um fast jeden Preis verhindern, dass Privatbanken bei dem Berliner Geldhaus zum Zug kommen. Sarrazin ließ Interessenten zum Bieterverfahren antreten, bis zum Schluss bot beispielsweise auch die Commerzbank mit. Doch der DSGV bot für die Sparkassen des Landes das meiste Geld und bekam so den Zuschlag.

Das macht sich jetzt negativ in den Bilanzen der Sparkassen bemerkbar. Zwar betont ein Sprecher des DSGV, dass die LBB gut durch die Krise gekommen sei. Im Jahr 2009 beispielsweise machte der Finanzkonzern, zu dem auch die Berliner Sparkasse gehört, einen Gewinn von 224 Millionen Euro. Mehr als 140 Millionen Euro wurde an die Eigentümer - also die Sparkassen - ausgeschüttet. Dennoch müssen diese nun den Wert ihrer Beteiligung um insgesamt elf Prozent abschreiben. Diese Anweisung ging vom DSGV in einem Schreiben an die Sparkassen.

Viele Geldhäuser hatten jedoch bereits im Jahr 2009 die LBB-Beteiligung abgeschrieben. Da die Sparkassen insgesamt gut durch die Finanzkrise gekommen sind und 2010 die Geschäfte wieder richtig ordentlich liefen, ist es für die meisten auch kaum ein Problem.

Dennoch erinnert es die Sparkassenmanager landauf, landab daran, dass sie damals zu einem Kauf gedrängt wurden. Unter der Hand geben Leute aus dem Sparkassenlager zu, dass damals natürlich zu viel gezahlt worden sei. "Es ging uns natürlich darum, dass die größte deutsche Sparkasse nicht an einen privaten Investor fällt", sagt einer aus dem Sparkassenlager. Es sei eben ein politischer Preis gezahlt worden. Doch man solle auch einmal bedenken, was hätte passieren können, wenn die LBB samt Berliner Sparkasse in die Hände privater Investoren gelandet wäre. Die Sparkassen glänzten in der Finanzkrise durch Solidität, weil sie zumeist nur bodenständige Geldgeschäfte machen.

Profitiert hat vom LBB-Verkauf in jedem Fall das klamme Land Berlin. Denn der Verkauf der LBB, damals zu mehr als 80 Prozent in Landesbesitz, erwies sich somit als gelungener Coup, nachdem ein Skandal um die LBB zuvor sogar einen Senat zu Fall gebracht hatte. Der Grund für den Verkauf des Jahres 2007 war der Wirbel um Immobiliengeschäfte der Berlin Hyp. Diese Tochter der LBB, geleitet vom CDU-Politiker Klaus-Rüdiger Landowsky, brachte das Institut durch Immobiliengeschäfte an den Rand des Ruins.

Harte Sanierung

Daran zerbrach die große Koalition aus CDU und SPD unter Führung von Eberhard Diepgen. Es gab Neuwahlen; Klaus Wowereit gelangte so ins Rote Rathaus. Die LBB wurde danach hart saniert. Tochterunternehmen wurden abgestoßen, Risiken ausgelagert, Personal abgebaut. Die EU erkannte darin eine unzulässige Subventionierung und erteilte dem Land die Auflage, das Geldhaus zu privatisieren. Das erledigte dann Sarrazin 2007.

Von der LBB will sich zu den Abschreibungen niemand äußern. "Es betrifft ja auch unsere Anteilseigner", sagt ein Sprecher. Klar scheint aber, dass die Sparkassen nun noch mehr auf Ausschüttungen, sprich Dividendenzahlungen, dringen werden. Viel entscheidender ist aber etwas ganz anderes.

Die Abschreibungen auf die LBB-Beteiligungen kommen nicht zufällig gerade jetzt in die Öffentlichkeit. Derzeit wird innerhalb der Sparkassen nämlich wieder über den Kauf eines Instituts entschieden. Anteile an der Dekabank, Fondsspezialist der Gruppe, stehen zum Verkauf. Die angeschlagenen Landesbanken WestLB, BayernLB und LBBW sowie die NordLB könnten ihre Anteile an der Dekabank verkaufen.

DSGV-Präsident Heinrich Haasis hat bereits Interesse an der Dekabank geäußert. Wieder würden dann, wie bei der LBB, die vielen deutschen Sparkassen unter Führung des DSGV Geld in die Hand nehmen. Doch dazu sind längst nicht alle bereit; es gibt Widerstand. Daher wird jetzt das Berliner Beispiel LBB bemüht, um so vielleicht den Gesprächen um die Dekabank eine neue Richtung zu geben.

Genugtuung kann aber nicht nur Sarrazin, sondern die Berliner Politik insgesamt empfinden. Denn gemessen am Ärger, den beispielsweise die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe brachte, war die LBB ein richtig gutes Geschäft - und ein gütliches Ende des Berliner Bankenskandals der Jahrtausendwende.

"Das war einer von Sarrazins größten Erfolgen"

Manager einer Sparkasse über den Verkauf der LBB