Unternehmer

Trotz Pleiten: In Berlin wird unverdrossen gegründet

Diese Zahl ist so etwas wie der offizielle Abschluss der Wirtschaftskrise. 1590 Firmenpleiten hat Creditreform 2010 in Berlin gezählt, 100 mehr als ein Jahr zuvor.

Da zwischen Ausbruch der Krise und einem Gang zum Insolvenzgericht mitunter Monate vergehen, kommt die Pleite oft dann, wenn offiziell schon wieder Aufschwung herrscht. "Wenn ich die Gründungen sehe und die Robustheit der Wirtschaft, dann ist mir für 2011 nicht bange", sagt Hans-Ulrich Fitz von Creditreform Berlin. Er erwartet, dass im kommenden Jahr die Pleitewelle abebben wird.

Zwischen Januar und September 2010 wurden in Berlin mehr als 32 000 Unternehmen gegründet. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es rund 30 000. Sei es, weil Einzelpersonen sich selbstständig machten oder mit viel Kapitalaufwand eine Firma ins Leben gerufen wurde. Nirgendwo wagen sich so viele Menschen in die Unternehmerexistenz wie in der Hauptstadt. Jetzt, im Aufschwung, haben die Gründer besonders gute Chancen.

Allerdings besteht für Berliner Unternehmen in aller Regel ein höheres Pleiterisiko. Da hier vor allem Dienstleistungen dominieren und die meisten Firmen klein sind, ist in aller Regel auch die Kapitaldecke dünn. Dieses Dilemma lässt sich nur lösen, wenn mittelfristig größere, international agierende Unternehmen entstehen. Solche Firmen sind robuster und bekommen eher Kredit von Banken. Darauf zielen die diversen Anstrengungen der Wirtschaftspolitik in der Hauptstadt, etwa beim Wiederbeleben der Berliner Industrie.

Allerdings hat die Kleinteiligkeit der Berliner Unternehmen im Pleitefall auch Vorteile: An den 1590 Berliner Firmeninsolvenzen hingen 4500 Arbeitsplätze, im Durchschnitt also nicht einmal drei Jobs. Im Vergleich zu den deutschen Zahlen ergibt sich ein großer Unterschied. Bei 32 100 Pleiten im ganzen Land waren 2010 240 000 Stellen gefährdet - im Durchschnitt mehr als sieben Arbeitsplätze je Insolvenz.