Wirtschaft

Berlins Wirtschaft profitiert von Spitzenforschung

Der Gesundheitsstandort Berlin-Buch hat sich zu einem bedeutenden Wachstumsmotor für die Wirtschaft in der Hauptstadt entwickelt. Nicht nur bietet er Arbeitsplätze für 4711 Beschäftigte, die in den dort ansässigen Forschungseinrichtungen und Unternehmen tätig sind. Fast genauso wichtig ist die zusätzliche Nachfrage, die dadurch in Berlin entsteht. So schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass Geschäfte, Kneipen und Unternehmen in Folge 226,9 Mio. Euro pro Jahr mehr einnehmen.

- Laut der Studie, die der "Berliner Morgenpost" exklusiv vorliegt, würden dadurch rund 3000 Berliner Arbeitsplätze außerhalb des Standorts Berlin-Buch gesichert. "Über die Biotechnologie hinaus hat Berlin-Buch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt", sagt DIW-Forscher Ferdinand Pavel, der die Studie mit erstellt hat.

Bereits Mitte der 90er-Jahre hat Berlin begonnen, Wissenschaft und Wirtschaft zu vernetzen und bestimmte Branchen wie Biotechnologie, Medizintechnik und Optische Technologie gezielt zu fördern. So ist in Berlin-Buch ein international anerkannter Campus mit mehr als 50 kleinen und mittelständischen Biotechnologieunternehmen, drei Forschungseinrichtungen sowie drei Kliniken entstanden. Rund 12,6 Mio. finanzielle Fördermittel erhält der Gesundheitsstandort jährlich durch das Land Berlin. Darüber hinaus profitiert er von verbilligtem Mietraum und wichtiger Infrastruktur.

Trotz der prekären Haushaltslage zahle sich der Zuschuss laut DIW-Studie aus. Würden die Mittel alternativ für den Schuldenabbau verwendet, ergäbe sich zwar eine Ersparnis von 53 Cent je vorzeitig zurückgezahlten Euro. Dem stehe allerdings eine zusätzliche Wertschöpfung in Berlin-Buch in Höhe von 69 Cent je Euro Fördermittel gegenüber. "Das bedeutet, dass durch die Einnahmen der dort arbeitenden Beschäftigten insgesamt mehr Wert für Berlin entsteht, als wenn mit diesem Geld Schulden abgebaut werden würden", sagt Ferdinand Pavel.

Obwohl die Fördermittel etwa konstant blieben, erhöhte sich allein seit 2005 die Zahl der Beschäftigten in Berlin-Buch um fünf Prozent, der Umsatz um 18 Prozent. Rein rechnerisch stieg so der Umsatz je Beschäftigtem von 80 000 auf 90 000 Euro. "Das weist auf eine anhaltende Verbesserung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des Standorts hin", sagt Pavel.

Allerdings lassen sich die Grenzen der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen nicht immer klar ziehen. So hat der Berliner Senat eine Beratungsfirma beauftragt, ein Gutachten über die Zusammenarbeit der landeseigenen Charité mit der privaten Helios-Klinik in Berlin-Buch zu prüfen. Angeblich soll davon vor allem der Helios-Konzern profitieren.