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Deutsche Bahn sagt Umzug ab

Das Verwirrspiel um den künftigen Sitz der Konzernzentrale der Deutschen Bahn (DB) ist beendet. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die Umzugspläne endgültig vom Tisch: Die Bahn wird nicht aus dem Tower des Sony Centers am Potsdamer Platz ausziehen. "Die Konzernzentrale der DB bleibt, wo sie ist, der Mietvertrag wird verlängert", sagte ein Manager der Investmentbank Morgan Stanley der Berliner Morgenpost.

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Sony hatte das Center mit seinen acht Gebäuden im März an ein Konsortium um einen Immobilienfonds von Morgan Stanley verkauft. DB-Mitarbeiter bestätigten das Festhalten am Bahntower. Der Mietvertrag sei um zehn Jahre verlängert worden, hieß es.

Ursprünglich hatte die DB kommendes Jahr nach Auslaufen des Mietvertrages für den Bahntower die Konzernzentrale in den Hauptbahnhof und einen nahe gelegenen Neubau verlegen wollen. Ziel war und ist es, die über die ganze Stadt verstreuten Standorte an einigen wenigen Punkten zu bündeln.

Mitarbeiter auf zahlreiche Orte verteilt

Insgesamt hat die Bahn rund 19 000 Mitarbeiter in Berlin, verstreut auf zahlreiche Standorte im ganzen Stadtgebiet. Um Arbeitsprozesse zu erleichtern und Mitarbeitern zeitaufwendiges Pendeln zu ersparen, sollen wenigstens die zentralen Konzernsteuerungen an wenigen Standorten konzentriert werden.

Die Zentrale sollte dabei ursprünglich überwiegend in den beiden Bürogebäuden im Hauptbahnhof (den sogenannten Bügelbauten) und in dem geplanten würfelförmigen Neubau (dem sogenannten Kubus) zwischen Hauptbahnhof und Spree untergebracht werden. An einer Konzentration ihre Mitarbeiter hält die DB weiter fest. "Nach jetzigem Stand beziehen wir zusätzlich zum Bahntower auch die Bügelbauten", sagte ein Bahn-Manager.

Damit könnten unter anderem die von der Bahn belegten Büroflächen am Leipziger Platz, am Rande des Tiergartens (Lennéstraße) sowie südlich des Potsdamer Platzes (Köthener Straße) geräumt werden. Die Bügelbauten stehen seit Eröffnung des Hauptbahnhofs leer.

Gründe für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, den Umzug abzublasen, gibt es mehrere. Zum einen würde der von der Immobiliengesellschaft Vivico geplante Kubus nur Platz für schätzungsweise 500 Mitarbeiter bieten - im Bahntower arbeiten rund 800 Beschäftigte. Am Ende könnte es in den Bügelbauten und dem Kubus zu eng werden, um wenigstens das Gros der Mitarbeiter dort zusammenzuziehen.

Entscheidender ist aber, dass es zwischen der Investmentbank Morgan Stanley, die die Bahn auch beim Börsengang berät, und dem Konzern Verhandlungen über die Miete für den Turm gegeben hat - und das Ergebnis hat Mehdorn wohl zum Bleiben bewegt. Die Banker ließen durchblicken, dass man dem Bahn-Chef entgegengekommen sei. Allzu schwer sei das nicht gefallen. "Das gesamte Sony Center war für uns ein Schnäppchen", sagte ein Banker. Sony hatte ursprünglich versucht, 850 Millionen Euro für das Areal zu bekommen. Letztlich gezahlt wurden angeblich nur 600 Millionen Euro.

Bei der Immobiliengesellschaft Vivico, die den Kubus plant und mit der Bahn als Mieter im Gespräch war, reagierte man überrascht: "Wir haben keine offizielle Absage", hieß es. Der Kubus soll jedoch weiter realisiert werden. Allerdings beginne man ein "derart maßgeschneidertes Objekt" nicht, bevor ein Mieter gefunden sei, hieß es. Einziger Trost für die Vivico: Es gäbe weitere Interessenten für den Kubus, man befinde sich "in Gesprächen".