Bombardier baut neue Straßenbahn

Von Andrea Puppe Berlin - Jetzt ist der Auftrag so gut wie perfekt: Bombardier soll in den nächsten Jahren 210 Straßenbahnen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bauen.

Von Andrea Puppe Berlin - Jetzt ist der Auftrag so gut wie perfekt: Bombardier soll in den nächsten Jahren 210 Straßenbahnen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bauen. Diesen "wahrscheinlich größten Auftrag der Straßenbahngeschichte" hat der Präsident des Bahnkonzerns, André Navarri, gestern auf der InnoTrans, der Internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik, in Berlin angekündigt. Der Auftrag hat einen Wert von etwa einer halben Mrd. Euro. Der kanadische Konzern hat gestern die Weltzentrale für die Bahntechniksparte, die in Berlin residiert, am Schöneberger Ufer 1 (Mitte) offiziell eingeweiht.

Das Geschäft umfasst nach Angaben Navarris zunächst den Bau von vier Tram-Prototypen, die ab 2008 getestet werden sollen. Firmensprecher Ulrich Bieger ergänzte, dass weitere 206 Züge namens Flexity Berlin ab 2010 gebaut und ab 2011 an die BVG geliefert werden sollen, um die veralteten Züge auf dem Berliner Straßenbahnnetz zu ersetzen. Jährlich sollen etwa 20 Fahrzeuge das Werk verlassen. Bei den Bahnen handelt es sich um Niederflurstraßenbahnen, über deren endgültiges Design noch nicht abschließend befunden wurde. "Auch die Fahrgäste können während der Testphase mitreden", kündigt Bieger an.

Bereits Mitte Juni hatte der Aufsichtsrat der BVG den Weg zur Erneuerung der Berliner Straßenbahnflotte frei gemacht. Der Auftrag war europaweit ausgeschrieben worden, die Wahl fiel auf Bombardier Transportation. Allerdings hatte ein Mitbewerber Einspruch bei der Vergabekammer der Senatswirtschaftsverwaltung gegen den Zuschlag an Bombardier eingelegt. "Dieser Einspruch wurde abgelehnt", sagt Bieger.

BVG-Sprecherin Petra Reetz dämpft den Enthusiasmus bei Bombardier Transportation. "Bislang haben wir lediglich den Vertrag über vier Vorserienfahrzeuge im Wert von 10 Millionen Euro fixiert", sagt sie. Ob die Option über 206 weitere Fahrzeuge nach der Testphase eingelöst werde, hänge nicht nur von erfolgreichen Tests, sondern auch von der Haushaltslage und den Vorstellungen des Landes Berlin ab. "Auch der Optionsbeschluss muss zunächst wieder den Aufsichtsrat passieren", sagt sie.

Die InnoTrans verzeichnet in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung von 1606 Ausstellern aus 41 Ländern. Präsentiert werden nicht nur neue Schienenfahrzeuge, sondern auch Tunnelbautechnologien oder Inneneinrichtungen. Bahnchef Hartmut Mehdorn hat von der Bahnindustrie einen einheitlichen Standard für elektronische Signalsysteme verlangt. Falls die Entwicklung des milliardenschweren Systems ETCS weiter auf unterschiedlichen Niveaus in Europa vorangetrieben werde, müssten die Eisenbahnen "vielleicht auch mal die Bremse reinhauen", drohte Mehdorn in Berlin bei der Eröffnung der Schienenverkehrsmesse InnoTrans. Der ETCS-Standard soll es nach EU-Vorgaben ermöglichen, dass Fahrzeuge verschiedener Bahnen freizügig in Europa verkehren können und so den internationalen Zugverkehr gegenüber der Straße wettbewerbsfähig machen. Ist das System einmal eingeführt, sinken zwar die Kosten für Fahrzeuge und Strecke. Bis dahin aber werden pro Lok und Streckenkilometer jeweils sechsstellige Euro-Beträge fällig. In Deutschland wird die Strecke Berlin-Leipzig mit diesem System betrieben. mit AP