DeTeWe-Verkauf perfekt

Berlin - Nun ging alles doch viel schneller als geplant: Vor rund drei Wochen hatte man noch mit einem Closing "in einigen Monaten gerechnet, aber nun ist der Verkauf des Berliner Telefonanlagen-Spezialisten DeTeWe an die kanadische Aastra Technologies Limited bereits perfekt. Astra hat die beiden Gesellschaften DeTeWe Systems (unter anderem Entwicklung) und DeTeWe Communications (Systemhaus mit Vertrieb und Service) übernommen und für das operative Geschäft des traditionsreichen Unternehmens mit Stammsitz in Kreuzberg rund 35 Mio. Euro an die Mannheimer Röchling-Gruppe gezahlt. Röchling suchte seit zwei Jahren einen Käufer für DeTeWe und will sich auf das Kerngeschäft mit Kunststoffen konzentrieren.

"Aastra und DeTeWe ergänzen sich in vielen Produktbereichen, für beide Unternehmen ist das Zusammengehen ein Gewinn", sagte Andreas Latzel, Chef von Aastra Deutschland der Berliner Morgenpost. Vor allem im Bereich Kommunikationssysteme, also bei kleineren Telefonanlagen für Geschäftskunden, schaffe die künftige Kooperation Synergien, so Latzel, der nun auch DeTeWe Systems leitet.

Nach seinen Worten werden sowohl die beiden Gesellschaften von DeTeWe als auch der Firmensitz in Kreuzberg und die Marke an sich erhalten bleiben. "DeTeWe ist eine starke Marke in Deutschland. Es wäre unklug, da etwas zu ändern", so der Aastra-Deutschland-Chef. Keine Angaben machte Latzel zur künftigen Strategie, den Unternehmenszielen für 2005 und einen etwaigen Jobabbau: "Dazu ist es derzeit noch zu früh."

Bei DeTeWe herrscht Erleichterung darüber, daß der Verkauf unter Dach und Fach ist. Mit Aastra gewinne das Unternehmen, das zuletzt in die Verlustzone gerutscht war, einen "weltweit agierenden, strategischen Partner und kann damit die Vertriebsbasis erheblich verbreitern", hieß es in Berlin. "Es war die Schwachstelle von DeTeWe, nicht wie andere Anbieter auf internationalen Märkten stark präsent zu sein, zumal das Deutschlandgeschäft stagniert bzw. sogar leicht rückläufig ist", meint Latzel. Mit Aastra müßten sich die Berlin Auslandsmärkte nun nicht mühsam erarbeiten: "Wir sind bei Telefonanlagen im Geschäftskundenbereich Marktführer in der Schweiz, Spanien und Italien sowie die Nummer zwei in Frankreich", so Latzel.

Hintergrund der Übernahme war das Ziel von Aastra, endlich auch auf dem deutschen Markt, den die Kanadier als "strategisch wichtig" einschätzen, Fuß zu fassen. Die Deutschland-Tochter hat bislang nur acht Niederlassungen mit rund 70 Mitarbeitern und kooperiert nur in geringem Umfang mit der Deutschen Telekom. Mit DeTeWe gewinnt Aastra ein Netz von 20 Standorten, das alle wichtigen Bereiche abdeckt. Weiterer Vorteil der Übernahme für beide Unternehmen sei der Austausch on Know-how: "DeTeWe ist absolut führend was schnurlose Telefone angeht. Wir sind stark im Bereich Sprache über Datennetze (VoIP). Gegenseitiger Technologieaustausch bringt uns eindeutig nach vorn", sagt Andreas Latzel, der das Geschäft künftig von Berlin aus steuert.