Rhönsprudel kauft Spreequell

Berlin - Die Oetker-Tochter Brau und Brunnen AG zieht sich aus dem Mineralwasser-Geschäft zurück und verkauft die Brau und Brunnen Mineralquellen GmbH. In der Gesellschaft mit Sitz in Berlin ist die Wassersparte weitgehend gebündelt. Mit Ausnahme der Berlin-Brandenburger Marke Spreequell gehen die Brunnen ab 1. August an die hessische Hassia Mineralquellen GmbH. Spreequell wird von der Hassia Gruppe nur kurzfristig übernommen und in wenigen Wochen an Rhönsprudel weiterveräußert. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Hassia übernimmt mit dem Geschäft bekannte Marken wie Margon, Glashäger oder das Erfrischungsgetränk Vita Cola. Die Hessen wachsen damit zur Nummer vier unter den deutschen Mineralbrunnen und überholen gemessen am Ausstoß Gerolsteiner. Hassia füllte im vergangenen Jahr 678 Mio. Liter Mineralwasser ab, durch Brau und Brunnen steigt das Volumen um 240 Mio. Liter. "Mit der Übernahme bauen wir vor allem in Ostdeutschland unseren Marktanteil kräftig aus", sagte Hassia-Geschäftsführer Ullrich Schweitzer der Berliner Morgenpost.

Spreequell geht an Rhönsprudel, denn die Nummer zwölf auf dem deutschen Markt füllt das vor allem in Berlin beliebte Mineralwasser bereits an ihrem Brandenburger Brunnen in Bald Liebenwerda ab. "An Spreequell war Rhönsprudel einfach näher dran", so Schweitzer.

Von der Übernahme sind rund 400 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Schmalkalden (Thüringen), Müglitztal (Sachsen) und Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) betroffen. Zur Zukunft von Werken und Belegschaft machte Hassia keine konkreten Angaben. "Klar ist aber, daß wir um Restrukturierungsmaßnahmen nicht herumkommen", kündigte Schweitzer an.

Die Branche steht unter Druck, Preisverfall und der Erfolg von Discounter-Wasser machen den Mineralbrunnen zu schaffen. "Wir kaufen die Marken allerdings nicht, um sie einzustampfen, sondern um sie fortzuführen und regional zu stärken - und zwar alle", sagte der geschäftsführende Gesellschafter von Hassia, Dirk Hinkel. Das gelte auch für die Erfrischungsgetränke-Marke Vita Cola. Immer wieder in der Branche geäußerte Spekulationen, Coca-Cola könnte die Ost-Cola Vita schlucken, wurden zunächst von Coca-Cola und nun von Hassia endgültig zerstreut: "Wir verkaufen Vita-Cola nicht weiter, sondern entwickeln die Marke weiter", hieß es in Bad Vilbel.

Eineinhalb Jahre nach der Übernahme von Brau und Brunnen durch den Lebensmittelriesen Dr. Oetker will sich das Unternehmen auf das Kerngeschäft konzentrieren. "Der Verkauf entspricht der Linie, alle Kräfte auf die Konsolidierung des Biergeschäfts zu richten", sagte Oetker-Manager Ulrich Kallmeyer. Nur die Premiummarke Selters soll auch weiter gehalten werden.

Die Verhandlungen über einen Verkauf der Sinzinger Mineralbrunnen GmbH von Brau und Brunnen laufen unterdessen weiter. Als potentielle Bieter sind unter anderem noch Frankenbrunnen und die Altbierbrauerei Bolten im Rennen, die mit dem Ex-Vorstandschef von Brau und Brunnen, Michael Hollmann, ins Mineralwassergeschäft einsteigen will.