Berlin wird Filmstar

Die Filmförderung des Medienboards zahlt sich aus. Für jeden Euro investiert die Wachstumsbranche 2,6 Euro in der Region, rechnet Geschäftsführerin Kirsten Niehuus vor. Auch internationale Produktionen entstehen in der Hauptstadt.

Berliner Morgenpost: Berlin war bei den Filmfestspielen in Cannes mit zwei vom Medienboard geförderten Produktionen vertreten - mit Wim Wenders' "Don't Come Knocking" und Christian Carions "Merry Christmas". Auf der Berlinale waren elf hiesige Filme zu sehen, drei im Wettbewerb. Wird Berlin wieder deutsche Filmhauptstadt?

Kirsten Niehuus: Die gefühlte Filmhauptstadt sind wir bereits. Berlin-Brandenburger Filme sind national und international sehr erfolgreich: Auch letztes Jahr war Berlin mit Weingartners "Die fetten Jahre sind vorbei" in Cannes vertreten, "Good Bye, Lenin!" erhielt den Europäischen Filmpreis und war unter anderem für einen Golden Globe nominiert, Margarethe von Trottas "Rosenstraße" gewann drei Auszeichnungen in Venedig, und dieses Jahr sind 18 vom Medienboard geförderte und dadurch Berlin-Brandenburger Produktionen beim Deutschen Filmpreis Lola nominiert. Auch internationale Produktionen wie aktuell Warner Brothers' "V for Vendetta" mit Nathalie Portman sowie im letzten Jahr "Die Bourne Supremacy" oder "In 80 Tagen um die Welt" entstehen in der Hauptstadtregion.

Was zieht die Branche nach Berlin?

Nach dem Mauerfall hat sich auch die Filmbranche nach Berlin orientiert. Hier hat sich mittlerweile ein produktives, künstlerisches und kreatives Potential entwickelt, wie es in dieser Konzentration in Deutschland sonst kaum zu finden ist. Als Hauptstadt hat Berlin wie seine europäischen Kollegen London, Paris oder Rom eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Branche. Hinzu kommt, daß im Ausland der deutsche Fokus auf Berlin liegt. Ausländische Produzenten wie beispielsweise die Amerikaner zieht es als erstes nach Berlin. Dabei wird die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg als ein Standort wahrgenommen.

Was fehlt noch, damit Berlin vor München und Köln wieder die Nummer eins unter den Filmstandorten wird?

München, Köln und Berlin haben alle drei ein sehr unterschiedliches, spezifisches Stärkenprofil mit eigenständigen Positionierungsmerkmalen. Wir engagieren uns gemeinsam, damit Deutschland insgesamt ein attraktiver Produktionsstandort wird. Berlin-Brandenburg positioniert sich dabei besonders als Standort mit internationaler Anziehungskraft. In den letzten 16 Jahren hat sich die Hauptstadtregion in vielerlei Hinsicht enorm entwickelt, und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Engagement der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender. Mit dem RBB sind wir nach den jüngsten Gesprächen auf gutem Weg. Nach den Aufbaujahren muß es jetzt das Ziel sein, eine stabile Unternehmenslandschaft zu schaffen.

Was ist das Geheimnis der jüngsten Berliner Filmerfolge?

Den Produzenten ist es gelungen, zielsicher die richtigen Trends zu erfassen. Der deutsche Film ist gegenwärtig breiter aufgestellt und künstlerisch anspruchsvoller. In der Publikumsgunst ganz oben stehen Komödien wie "Alles auf Zucker", aber auch ernsthafte historische Streifen wie "Der Pianist" oder zeitkritische Filme wie "Die fetten Jahre sind vorbei". Solche idealen Verbindungen von Kunst und Kommerz haben gerade Konjunktur.

Dieser Erfolg ist ohne staatliche Hilfe nicht möglich. In Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es dafür aber viel mehr Unterstützung.

Die Filmförderung des Medienboard vergab im letzten Jahr 25,4 Mio. Euro für 211 Projekte. Die staatlichen Fördermittel der Länder Berlin und Brandenburg entsprechen in etwa denen von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es allerdings ein größeres Senderengagement. Welchen großen Stellenwert die Medienbranche hat, zeigt, daß Berlin im vergangenen Jahr die Förderung mit zusätzlich drei Mio. Euro unterstützt hat.

Und wie zahlt sich der Einsatz aus?

Wir haben einen Regionaleffekt von 261 Prozent, das heißt jedem Euro Fördermittel folgen 2,6 Euro an Investitionen und Ausgaben der Filmemacher. Heute arbeiten in der Hauptstadtregion über 13 000 Menschen in der Filmbranche. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Beschäftigung der gesamten Medienbranche um 3,1 Prozent, die Anzahl der Betriebe um 3,6 Prozent. Die Film- und Medienwirtschaft ist eine der wichtigsten Wachstumsbranchen der Region.

Was sind ihre neuesten Projekte in der Filmförderung?

Wir unterstützen unter anderem "Code 82" von Hans Weingartner, "Black Book" von Paul Verhoeven, "Elementarteilchen" von Oskar Roehler mit Moritz Bleibtreu und Franka Potente, "Special" von und mit Til Schweiger, den neuen Film "Good" von "Italienisch für Anfänger"-Regisseurin Lone Scherfing und TV-Events wie die Teamworx-Produktion "Die Luftbrücke". Alle werden zu großen Teilen in Berlin gedreht.