Wasserstofftechnologie

BSR setzt bei Müllwagen auf Strom

Auf den ersten Blick ist es nur ein kleines Experiment. Vom Frühjahr nächsten Jahres an soll ein Müllauto der Berliner Stadtreinigung mit einem Wasserstofftank und einer Brennstoffzelle ausgerüstet werden.

Der Wagen fährt weiterhin mit Diesel, doch das Ankippen der Mülltonen und das Zusammenpresse des Mülls erfolgen elektrisch. "Wir wollen sehen, wie sich das im Alltag bewährt", sagt BSR-Sprecher Thomas Klöckner.

Die BSR, der Iserlohner Nutzfahrzeughersteller FAUN und das Berliner Unternehmen Heliocentris haben diese Woche eine Vereinbarung unterzeichnet. FAUN stellt das Fahrzeug, Heliocentris liefert die Brennstoffzelle und im Alltagsbetrieb der BSR muss sich beweisen, ob alles funktioniert. Der kleine Versuch reicht aber über die Berliner Stadtgrenzen hinaus. Die BSR ist der größte kommunale Entsorger Deutschlands. In dem Unternehmen werden traditionell Neuerungen an Nutzfahrzeugen getestet, die später in Serie gehen. Wenn es klappt, ist es ein Durchbruch für Elektroantriebe bei schweren Nutzfahrzeugen und ein Prestigeerfolg für die kleine Adlershofer Technologiefirma Heliocentris. Zudem passt es gut in eine Zeit, wo mit großem Aufwand an neuen Antrieben für Fahrzeuge gearbeitet wird. Die Wasserstofftechnologie ist bei Antrieben ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei ist es ein äußerst sauberes Verfahren. Wasserstoff und Sauerstoff werden in der Brennstoffzelle zusammengeführt. Und zwar so, dass elektrischer Strom entsteht. Dieser treibt dann den Elektromotor an.

Schon seit vielen Jahren wird dieses Prinzip in der Autoindustrie erforscht. Heliocentris hat sich unter anderem auf die Brennzelle für Nutzfahrzeuge spezialisiert. 60 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen im Technologiepark Adlershof. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 3,35 Mio. Euro. Der Verlust betrug 2,8 Mio. Euro. Heliocentris entwickelt derzeit vor allem, das Geld kommt von Venture-Capital-Gebern. Das sind Investoren, die aufstrebende Unternehmen finanzieren, bis die Firma ein marktfähiges Produkt haben. Das will Heliocentris jetzt unter Beweis stellen. "Das Projekt mit der BSR hat für uns natürlich eine besondere Leuchtkraft", sagt Geschäftsführer Henrik Colell. Wenn der Antrieb zuverlässig arbeitet, könnten daraus Großaufträge werden.

Der Wagen werde auf den ganz normalen Touren der Müllabfuhr eingesetzt, sagt BSR-Sprecher Klöckner. "Ist der Versuch positiv, dann liegt es an der Industrie, wettbewerbsfähige Angebote zu machen", sagt Klöckner. Soll heißen: Auch die BSR kann sich vorstellen, solche Müllwagen zu kaufen. Das Unternehmen hat rund 300 Fahrzeuge im Einsatz. Pro Jahr werden 18 Mio. Euro in neue Fahrzeuge investiert.

Grundsätzlich attraktiv ist der Einsatz eines solchen Hybrid-Müllwagens. Laut Heliocentris kann der Dieselverbrauch durch den Einsatz der Brennstoffzelle um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Denn Müllwagen verbrauchen einen Großteil des Sprits heute für das Heben der Tonnen und den Betrieb der Müllpressen.

BSR-Mann Klöckner erinnert an einen Standard, der durch einen Feldversuch in Berlin vor Jahrzehnten gesetzt wurde. "Der Seitenaufprallschutz für Lastwagen wurde zuerst bei der BSR erprobt", sagt er. Heute gehört der Seitenaufprallschutz zum Standard bei Lastkraftwagen.

"Wir wollen sehen, wie sich das im Alltag bewährt"

Thomas Klöckner, BSR-Sprecher