Franz-von-Mendelssohn-Medaille

Von der Hauptschule ins Luxushotel

Ein Zimmer für Angehörige von Krebspatienten, Bewerbungstraining für Hauptschüler oder ein Mittagessen für Obdachlose: im Marriott Hotel am Potsdamer Platz gehört soziales Engagement zur täglichen Arbeit. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Berliner Handwerkskammer (HWK) honorieren diesen Einsatz in diesem Jahr mit der Franz-von-Mendelssohn-Medaille.

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"Wir wollen soziales Engagement der Unternehmen öffentlich machen", sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer bei der Preisverleihung im ehemaligen Mendelssohn-Bankhaus in Berlin-Mitte. Gerade das Engagement kleiner Firmen sei oftmals kaum bekannt. Mit dem Preis solle außerdem zur Nachahmung motiviert werden. Verantwortung für das Gemeinwohl gehe alle an, sagte Schweitzer.

Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz erwähnte vor allem das praxisnahe Engagement kleiner und mittelständischer Unternehmen, das sofort wirke. "Diese Betriebe sind mit den Menschen und Verhältnissen vor Ort besonders eng verbunden", sagte Schwarz. "Unternehmen, die sich für ihr lokales Umfeld engagieren, nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr. Davon profitieren alle Beteiligten." Bürgerschaftliches Engagement festige nicht nur die Verwurzelung von Unternehmen in der Region, sondern mehre zugleich deren Ansehen, ergänzte Schwarz.

Der Preis wird seit 2005 vergeben. Die Berliner Morgenpost begleitet die Aktion als Medienpartner. In diesem Jahr haben sich 32 Berliner Unternehmen beworben. Sechs davon kamen in die engere Auswahl. Am Ende stimmte die Jury mit eindeutiger Mehrheit für die Berlin Marriott Hotelmanagement GmbH. Den zweiten Platz bekam das Hotel Concorde für sein Engagement für Analphabeten. Dritter wurde die GBR Großbauten-Reinigung. Das Spandauer Unternehmen unterstützt Schülerlotsen-Projekte oder organisiert gemeinsam mit Schülern und dem Sportverein Alemania Spandau Anti-Graffiti-Projekte.

Natalie Busch, Personalchefin des Marriotts und zuständig für den freiwilligen Einsatz freut sich über die Auszeichnung. "Wir wollen nicht nur einen Scheck ausstellen", sagt Busch. "Wir wollen Chancen im Leben schaffen." Die stille Hilfe ist vielfältig: Für Angehörige krebskranker Patienten, die in der Charité liegen, hat das Hotel immer ein freies Zimmer. Ganz gleich, ob das Marriott ausgebucht ist.

Außerdem organisiert die Hotelleitung regelmäßig Blutspenden, hat eine Patenschaft für das SOS-Kinderdorf in Moabit oder teilt Essen in der Wärmestube an Bedürftige aus. Für Busch allerdings steht die Kooperation mit Hauptschulen in Brennpunktvierteln an erster Stelle. Die falsche Adresse oder ein schlechter Abschluss, sollen kein Hindernis sein, an den Traumjob zu kommen. Zuverlässigkeit und Begeisterung sind ihr wichtig.

Also holt das Fünf-Sterne-Hotel die Hauptschüler zum Praktikum. Manchmal springt danach sogar ein Ausbildungsplatz heraus. Wie bei Nils Tinder. Vor einigen Monaten saß der 17-Jährige noch in der Carl-Zelter-Schule in Berlin-Kreuzberg. Nach einem Aktionstag in der Schule darf Tinder zwei Wochen lang im Hotel mitarbeiten. "Das wollte ich schon immer machen", sagt er. Mit seinem Hauptschulabschluss hat er keine guten Karten für einen Ausbildungsplatz als Hotelfachmann. Das Marriott gibt ihm eine Chance und eine Lehrstelle. Heute macht Tinder Betten oder serviert Rührei am Frühstücksbuffet.

Für Busch ist der Einsatz in der Schule ein doppelter Erfolg. Die Jugendlichen erkennen, dass der Arbeitsmarkt Stellen für sie hat. Gleichzeitig rekrutiert das Hotel Nachwuchs, denn in der Gastronomie gibt es enormen Bedarf.

2004 eröffnete das Marriott Hotel am Potsdamer Platz. Heute sind rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. In allen 2900 Häusern der Marriott-Gruppe weltweit gehört soziales Engagement zum Firmenkonzept. Wo der freiwillige Einsatz stattfindet, bleibt den einzelnen Häusern überlassen.

Die Mendelssohn-Medaille ist mit 10 000 Euro dotiert. "Das Geld fließt auf jeden Fall in neue Projekte", sagt Busch. "In der Schule ist noch viel zu tun".