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Metro macht bei Kaufhaus-Fusion Tempo

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Der insolvente Arcandor-Konzern geht nun möglicherweise mit staatlicher Unterstützung in weitere Gespräche mit dem Konkurrenten Metro. Am Samstag wurden bekannt, dass Arcandor sich Hoffnungen auf eine Bürgschaft für einen sogenannten Massekredit machen kann. Ein solcher Kredit würde das Geschäft des Karstadt-Mutterkonzerns sichern.

- Zudem hätte Arcandor dann mehr Luft für Verhandlungen über eine Fusion der Kaufhaus-Marken Karstadt und Kaufhof.

Ein Massekredit ist ein kurzfristig zur Verfügung gestelltes Darlehen, das kurz vor oder nach der Insolvenz vergeben wird. In der Liste der Gläubiger steht der Kreditgeber in der Regel auf Platz eins. Dies bedeutet, dass die Forderungen vorrangig bedient werden, der Geber hat als erster Zugriff auf die Insolvenzmasse, damit seine Forderungen mit der höchstmöglichen Garantie abgesichert sind. In der Vergangenheit hatte beispielsweise die Drogeriekette "Ihr Platz" kurz nach der Insolvenz einen Massekredit erhalten, um Ladenmieten weiter bezahlen zu können.

Metro treibt jetzt die geplante Übernahme von rund 60 Karstadt-Warenhäusern weiter voran. Man wolle Gespräche mit "allen Beteiligten an dem Insolvenzverfahren führen", zitierte das Magazin "Focus" einen Metro-Konzernsprecher. Dazu gehörten auch die Eigentümer der Karstadt-Filialen. Diese sind zum großen Teil im Besitz des sogenannten Hightstreet-Konsortiums. Arcandor schuldet bereits Mietzahlungen.

Ein Metro-Sprecher dementierte einen Bericht der "Börsen-Zeitung", wonach der Handelskonzern im Zuge der geplanten Übernahme von Karstadt-Häusern einen KfW-Kredit in Höhe von 200 Millionen Euro beantragen wolle. "In unseren Planungen haben Staatshilfen keine Rolle gespielt und werden auch weiterhin keine Rolle spielen", sagte der Sprecher.

Metro-Chef Eckhard Cordes und der für Städtebau zuständige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wollen sich laut "Focus" am Mittwoch in Berlin treffen. Cordes werde dabei für seinen Plan einer Kaufhaus-Ehe von Karstadt und Kaufhof werben.

Kaufhof-Chef Lovro Mandac wandte sich gegen eine Zersplitterung der Karstadt-Gruppe. Im Interview der "Bild am Sonntag" warnte er vor einem "Verkauf von einzelnen Häusern oder kleinen Paketen von Standorten". Kaufhof habe ein profitables Warenhaus-System, in das ohne Verzug die 60 Karstadt-Häuser integriert werden könnten, sagte er. Kaufhof sei das einzige Unternehmen, "das ein Gesamtkonzept für die Übernahme ein Gesamtpakets von etwas 60 Karstadt-Warenhäusern und damit zur Rettung von 20 000 Karstadt-Mitarbeitern vorgelegt hat".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt unterdessen auf ein zügiges Insolvenzverfahren, damit die 43 000 betroffenen Beschäftigten bald Klarheit für ihre Zukunft haben. "Die zuständigen Ministerien innerhalb der Bundesregierung werden ihre Hilfe - soweit das möglich ist - anbieten", sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft. Dabei gehe es auch um Stadterneuerungsprogramme und Hilfestellungen der Bundesagentur für Arbeit.

Unterdessen befindet sich Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz nach ihrem schweren Zusammenbruch offenbar auf dem Weg der Besserung. Laut "Bunte" erlitt Schickedanz am Dienstag, dem Tag der Arcandor-Pleite, einen Zusammenbruch und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Mittlerweile habe sich der Zustand der 65-Jährigen stabilisiert, hieß es.

Am Mittwoch hatte die Quelle-Erbin eine persönliche Erklärung zur Insolvenz der Arcandor verbreitet, in der sie mitteilte, dass sie sich mit ihrem "gesamten Vermögen engagiert" habe, um die Schieflage des Unternehmens mit 43 000 Mitarbeitern zu überwinden. Dagegen sagte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering in den "Ruhr Nachrichten", staatliche Hilfe für Arcandor wäre nur bei angemessenem Engagement der Besitzer und Banken möglich gewesen.