ThyssenKrupp

Abschied vom Transrapid

Zwei Jahre nach dem Aus für die Transrapid-Strecke in München wird nun auch das Produktionswerk für den Hochgeschwindigkeitszug in Kassel geschlossen. Am Jahresende wird der ThyssenKrupp-Konzern den Transrapid-Standort aufgeben. "Seit der Absage des Projekts München 2008 gab es keine Folgeaufträge mehr.

Deshalb hat die Geschäftsleitung beschlossen, die Kapazität zu senken", sagte eine Sprecherin von ThyssenKrupp. Bereits vor zwei Jahren hatte das Transrapid-Konsortium aus Siemens und ThyssenKrupp das Planungszentrum in Berlin "Transrapid International" geschlossen. Damit bleibt nur noch eine Niederlassung in China, von wo aus der Transrapid in Shanghai betreut wird und eine kleine Niederlassung in München, wo allerdings ebenfalls 14 von 36 Mitarbeitern gehen sollen.

Von der Schließung des Standortes der früheren Thyssen Henschel GmbH in Kassel sind 62 Beschäftigte betroffen. Die Auflösung des Produktionsstandortes dürfte wohl das endgültige Ende des einstmals gefeierten Technologiewunders bedeuten, das mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert wurde - selbst wenn das Unternehmen dies noch dementiert. "Das ist nicht das Aus des Transrapid", betonte zwar eine Thyssen-Krupp-Sprecherin. Das Unternehmen hoffe weiter auf Aufträge aus dem Ausland. Jedoch heißt es aus dem Unternehmensumfeld, dass man damit nicht mehr rechne. "Es gab eine Zeit lang hochfliegende Pläne von Regierungen und Gesellschaften in aller Welt für den Transrapid. Davon hat sich leider nichts materialisiert", sagte ein Siemens-Sprecher. Man sehe das Transrapid-Geschäft deshalb "mit einiger Nüchternheit".

Erst vor gut zwei Wochen hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) noch betont, er sehe weiter gute Exportchancen für den Hochgeschwindigkeitszug. Unter anderem stehe in China noch die Entscheidung über eine Verlängerung der Strecke von Shanghai nach Hangzhou aus. Gespräche würden zudem mit Brasilien, der Türkei und den USA geführt.

Doch selbst China scheint inzwischen auf Distanz zum deutschen Superzug gegangen zu sein, der eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 500 Kilometern in der Stunde erreichen kann. Die Volksrepublik hat in ihrer jüngsten Planung zum Ausbau des Eisenbahnnetzes keine nennenswerte Strecke für den Transrapid vorgesehen. Stattdessen soll die klassische Rad-Schienen-Technologie forciert werden. Bis 2012 will China ein um 13 000 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrassen erweitertes Netz betreiben, darunter auch die Strecke Peking-Shanghai. Noch vor wenigen Jahren hatte sich das deutsche Herstellerkonsortium des Transrapids noch Hoffnungen auf den Auftrag für diese Verbindung gemacht. Auch anderswo sieht es schlecht für den Transrapid aus. Die Projektplanung für die 200-Kilometer-Strecke von Shanghai nach Hangzhou sei genehmigt worden. Das Projekt würde derzeit aber noch "vertieft erforscht", heißt es von offizieller Seite.

Siemens geht noch deutlicher auf Distanz zum Transrapid als ThyssenKrupp. "Wir haben keine Leute mehr, die sich exklusiv mit dem Thema Transrapid beschäftigen. Wir halten dafür keine Mannschaft vor", sagte ein Siemens-Sprecher. Auch am Betrieb der Teststrecke im Emsland beteiligt sich der Münchner Elektrokonzern nicht mehr.

Siemens setzt stattdessen auf Weiterentwicklungen der ICE-Klasse, die Geschwindigkeiten jenseits der 300 Stundenkilometer erreichen. So konnte der Konzern in diesem Segment fünf der letzten acht Ausschreibungen weltweit für sich entscheiden. Zuletzt erhielt der Münchner Elektrokonzern in China den Auftrag im Wert von 750 Mio. Euro für 100 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro. Siemens liefert für den Chinesen-ICE Komponenten wie die Elektroausrüstung.