Recycling

Altpapier, Schrott und Kunststoffabfälle sind wieder gefragt

Mit Müll lässt sich künftig wieder viel Geld verdienen. Nachdem die Preise für sogenannte Sekundärrohstoffe, also beispielsweise für Schrott, Altpapier und Kunststoffabfälle, im vergangenen Jahr wegen der Wirtschaftskrise dramatisch eingebrochen sind, steigen die Notierungen seit Jahresbeginn wieder sprunghaft an.

"Wir erleben derzeit eine Trendwende", berichtet Burkhard Landers, der Präsident vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). 150 Euro werden derzeit zum Beispiel für eine Tonne sogenanntes Kaufhaus-Altpapier gezahlt, also für sortenreine Abfälle. Damit hat sich der Abnahmepreis seit Jahresbeginn schon verdreifacht. Gegenüber dem Frühjahr 2009 liegt er sogar 15 Mal so hoch. "Der Altpapierbedarf kann derzeit nur mit großen Anstrengungen gedeckt werden", sagt Landers. Sogar von regelrechten Verdrängungsangeboten werde bereits berichtet.

Ähnlich gut läuft es zudem beim Kunststoffrecycling sowie bei Schrott und Metallen. Nachdem die Preise im vergangenen Jahr noch krisenbedingt auf einem dauerhaft niedrigen Niveau stagnierten, sieht Landers nun den Schritt vom Käufer- zurück zum Verkäufermarkt vollzogen. Das bestätigt auch Axel Schweitzer, Vorstandsvorsitzender des Kölner Rohstoffhändlers und Recyclingdienstleisters Interseroh. "Vor zwölf Monaten waren die Märkte noch völlig am Boden, mittlerweile werden die Sekundärrohstoffe wieder knapp", sagt er. Stahlwerke und Gießereien etwa melden schon einen Mangel beim Stahlschrott, heißt es bei der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen.

Das hat Auswirkungen auf die Preise. "Bei einzelnen Materialien dürften wir bald schon wieder das Vorkrisenniveau erreichen", sagt Schweitzer, demzufolge die Altmaterialien vor allem von China und Indien geordert werden. Altkupfer etwa - für Schrotthändler ein Frühindikator -hat dem Manager zufolge kurz vor der Krise rund 6000 Dollar pro Tonne gebracht, Anfang 2009 dann gerade noch 2000 Dollar, und zu Jahresbeginn 2010 seien es wieder fast 5000 Dollar je Tonne gewesen. Experten schließen daher nicht aus, dass Metalldiebe in den kommenden Monaten wieder verstärkt auf Beutezug gehen.

Dessen ungeachtet hat die Krise tiefe Spuren in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft hinterlassen. Der Umsatz der rund 660 Mitgliedsunternehmen des BVSE brach 2009 um zehn Prozent auf zehn Mrd. Euro ein. Zugleich kappten die Firmen knapp 10 000 Arbeitsplätze. Derzeit beschäftigen sie noch rund 250 000 Mitarbeiter.