Allianz

Berggruen steigt bei "El País" ein

Der deutsch-amerikanische Mäzen Nicolas Berggruen hat offenbar ein ganz besonderes Faible für Spanien entwickelt. Anders lässt sich wohl nicht erklären, dass der Sohn des Berliner Kunstsammlers Heinz Berggruen 900 Millionen Dollar in den angeschlagenen spanischen Medienkonzern Prisa stecken will.

Feierlich besiegelten der Berggruen-Sprössling und der Prisa-Chef Juan Luis Cebrián in Madrid ihre neue Allianz.

"Wir bringen unser Kapital ein, helfen dem Konzern seine Schulden abzubauen und werden ihn wieder auf Wachstumskurs bringen", sagte Berggruen, dessen Vermögen von Forbes auf zwei Milliarden Dollar veranschlagt wird und der neben zahlreichen Immobilien in Berlin auch eine indische Hotelkette sowie Windparks in der Türkei besitzt.

Tatsächlich kommt der finanzkräftige Partner der spanischen Mediengruppe, die mit ihrem Flaggschiff "El País" weltweit bekannt wurde, sehr gelegen. Zu forsch waren die Spanier in den letzten Jahren ins TV- und Radiogeschäft expandiert, womit sie sich deutlich übernahmen. Auch die anhaltende Rezession in Spanien macht dem größten Verlagshaus im traditionellen Zeitungsgeschäft stark zu schaffen. So sank der Umsatz 2009 um 20 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro; der Gewinn brach um 40 Prozent ein.

Nicht einmal jeder zehnte Spanier kauft noch eine Tageszeitung. Darunter leiden alle Printmedien des Konzerns: "El País", die Wirtschaftszeitung "Cinco Días" und die tägliche Sportzeitung "As". Dem Traditionshaus gehören auch der Radiosender Cadena SER, der Verlag Santillana und mehrere TV-Sender. Die Schulden lagen bei fünf Milliarden Euro. Mit dem Einstieg bei Prisa erhält Berggruens Investorengruppe die Mehrheit am Kapital der spanischen Mediengruppe. Der bisherige Haupteigentümer, die Polanco-Familie, reduziert ihren Anteil von 70 auf 30 Prozent.

Bei der Umstrukturierung sollen auch die Kleinaktionäre von Prisa im Zuge einer Kapitalerhöhung weitere 150 Millionen Euro einbringen. "Wir legen unser Geld bei Prisa auf lange Sicht an, und wir wollen das Unternehmen an die Wall Street bringen", sagte Berggruen, der der Polanco-Familie versprach, sich nicht ins Tagesgeschäft einzumischen. An der Linie der linksliberalen Zeitung "El País" werde sich nichts ändern.