Windenergie

Großbritannien überflügelt Deutschland

Daniel Wetzel

Großbritannien hat die Energiewende eingeläutet. Schon in zehn Jahren sollen erneuerbare Energien 25 Prozent der Stromversorgung der Insel sichern.

Den entscheidenden Schritt dazu machte nun die britische Liegenschaftsverwaltung: Sie vergab neun Flächen für den Bau gewaltiger Offshore-Windparks vor der britischen Küste mit einer Gesamtkapazität von 25 000 Megawatt. Das entspricht der installierten Leistung von etwa 25 Atomkraftwerken. Die Kosten werden auf umgerechnet 110 Milliarden Euro geschätzt.

Damit zieht Großbritannien an Deutschland vorbei: Die Bundesregierung hatte bisher den Bau von Offshore-Windparks mit mehr als 20 000 Megawatt Leistung bis 2020 geplant. Wegen der extremen technischen Bedingungen bei Wassertiefen von mehr als 50 Metern in der Deutschen Bucht gab es jedoch Verzögerungen. Inzwischen rechnet die Bundesregierung nur noch mit weniger als 10 000 Megawatt Offshore-Leistung bist 2020. Derzeit drehen sich im ersten deutschen Testfeld Alpha Ventus vor Borkum nur zwölf Windräder.

Die deutschen Energieriesen RWE und E.on haben nun gemeinsam mit anderen ausländischen Stromkonzernen den Zuschlag für den Bau der Parks in Großbritannien erhalten. Aus dem Bietergefecht, an dem sich mehr als 20 Unternehmen beteiligt hatten, ging RWE als Sieger hervor: Der Konzern allein sicherte sich Windparkflächen für eine Leistung von rund 4000 Megawatt.

Die Essener, die in Deutschland bislang vor allem auf Kohlekraftwerke setzen, machen damit einen großen Schritt in Richtung ökologischer Umbau der Stromerzeugung. Der Chef der Umweltsparte RWE Innogy, Fritz Vahrenholt, bezifferte das Investment seines Konzerns in die britischen Offshore-Windparks auf zwölf Milliarden Euro.

Vahrenholt sagte, der geplante Offshore-Windpark Doggerbank in der Nordsee sei mit 8600 Quadratkilometern Fläche halb so groß wie Schleswig-Holstein. Es entwickele sich hier einer der größten Ökostrom-Standorte der Welt.

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