Wirtschaftskriminalität

Korruption: Bahn entdeckt 300 Fälle

Die umstrittenen Mitarbeiterüberprüfungen der Deutschen Bahn haben offenbar 300 Auffälligkeiten ergeben. In den meisten Fällen sei der Bahn durch Wirtschaftskriminalität oder Betrug ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, berichten "Spiegel" und "Focus".

- Häufig hätten "Mitarbeiter Geschäfte mit Firmen gemacht, die unter ihrer eigenen Heimadresse registriert waren". In der Regel sei es zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen und Regressforderungen gekommen.

Im Zusammenhang mit dem Projekt "Babylon", bei dem es um einen Datenabgleich zwischen Bahn-Mitarbeitern und Lieferanten ging, seien "in keinem Fall Verbindungsdaten im Sinne des Telekommunikationsgesetzes genutzt" worden, erklärt die Bahn laut "Spiegel" in einem Schreiben an die Berliner Datenschützer. Auch habe man die Untersuchungen so weit wie möglich in den Räumen der Bahn durchführen lassen und die Daten "nach Abschluss der Arbeiten unwiderruflich gelöscht".

Zudem betonte der Konzern erneut, dass die Sicherheitsfirma Network Deutschland GmbH nur für konkrete Fälle im Zusammenhang mit Korruptionsverdacht eingesetzt worden sei. Man habe sich zusichern lassen, dass die Unterlagen ohne Zustimmung der Bahn "nicht für einen anderen als den vereinbarten Zweck genutzt werden dürfen".

Die Datenschützer hatten der Bahn vorgeworfen, die Aufträge an Network seien nur mündlich übermittelt worden. Das liege laut dem Schreiben "an der zeitlichen Dringlichkeit und der Sensibilität der Fälle". Die Bahn-Revision räumte ein: "Es trifft zu, dass der Betriebsrat aus Gründen der Vertraulichkeit nicht über die fallweise Zusammenarbeit mit Network informiert war."

Ein Bahnsprecher bestätigte, dass es ein abschließendes Statement des Logistikkonzerns an die Berliner Datenschützer gegeben habe. Details des Schreibens nannte er nicht.