Berlins Industrie wächst wieder

Die heimische Industrie fasst wieder Tritt. Das signalisieren jüngste Konjunkturdaten: So erhöhten sich im Juli die Auslandsbestellungen im Maschinenbau um rund 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Inlandsaufträge in der Elektroindustrie im gleichen Zeitraum um 32 Prozent zulegten.

Berlin - Die heimische Industrie fasst wieder Tritt. Das signalisieren jüngste Konjunkturdaten: So erhöhten sich im Juli die Auslandsbestellungen im Maschinenbau um rund 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Inlandsaufträge in der Elektroindustrie im gleichen Zeitraum um 32 Prozent zulegten. "Es gibt eindeutig Chancen für industrielles Wachstum in unserer Region", kommentierte Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf im Rahmen einer Rundfahrt zu Berliner Industrieunternehmen.

Das Flaggschiff des Berliner Maschinenbaus, die Siemens Gasturbinenfabrik in der Moabiter Huttenstraße, durfte dabei nicht fehlen. "Unsere Lage ist exzellent", sagte Jörg Völker von der Siemens Power Generation und meinte damit nicht nur die geografische Lage der Schwermaschinenfabrik mitten in einer Großstadt. "Letzte Woche waren der Energieminister Chiles und der Staatspräsident Panamas bei uns". Wenn sie von Tegel zur Bundesregierung fahren, legen sie bei Siemens einen Zwischenstopp ein, um nach dem Bau der Strommaschinen für ihr Land zu schauen.

44 große Kraftwerksturbinen fertigen die 2200 Siemens-Mitarbeiter in diesem Jahr (Umsatz 737 Mio. Euro). Für 2008 sind sogar über 60 projektiert. Dazu werden 50 bis 100 neue Mitarbeiter neu eingestellt. Insgesamt sind heute im Maschinenbau und Metallbearbeitung rund 18 000 Menschen in Berlin beschäftigt.

Auch Andreas Budde vom Berliner Büro des Zentralverbandes der Elektroindustrie (ZVEI) berichtet von einer positiven Lage seiner Brache. "Die Firmen in Berlin und Brandenburg in ihrer Produktion zu 93 Prozent ausgelastet, einige können ihre Kapazitäten nicht weiter steigern". Das dringendstes Problem der Firmen sei der Mangel an Facharbeitern.

Auf die automatisierte Produktion von Tastschaltern für Autos und Maschinen hat sich die Delta Tech Controls GmbH in Reinickendorf spezialisiert. 40 Millionen Stück der Fensterheber und Joysticks werden jährlich von 210 Mitarbeitern hergestellt (Umsatz 1006: 53,3 Mio. Euro). "Für das Jahr 2007 planen wir 60 Millionen Umsatz", sagt Geschäftsführer Dieter Eschenweck. Jüngste Entwicklung ist die Kommando-Tastatur für die Traktoren der Landmaschinen-Firma Fendt. Wichtigster Einschnitt für Delta war vor vier Monate der Verkauf des Unternehmens vom US-Elektronikkonzern ITT an den amerikanischen Finanzinvestor Littlejohn LLC.

Auch das Geschäft mit superharten Bohrern läuft gut, wie Eberhard Bartholdi, Werksleiter des Maschinenbauunternehmens G-ELIT in Reinickendorf berichtet. Das zur baden-württembergischen Gühring-Gruppe gehörende Unternehmen beschichtet Industriebohrer mit besonderen Legierungen, die ihre Lebensdauer um das Vierfache erhöht. Der Umsatz von 128 Mio. Euro, den die 465 Mitarbeiter in Berlin 2006 erzielten, soll in diesem Jahr um 20 Prozent gesteigert werden.

mr