Finanzkrise

Wolf warnt vor Kreditklemme

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Die Finanzkrise könnte vor allem junge Technologiefirmen in der Hauptstadt in Bedrängnis bringen. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) rechnet unter anderem damit, dass jetzt erst einmal Wagniskapital für die Gründer in der Stadt knapp werden könnte.

- IHK-Präsident Eric Schweitzer hatte bereits vor kurzem dieser Zeitung gesagt, dass viele Berliner Unternehmen sehr jung seien und deswegen über eine dünne Eigenkapitaldecke verfügten, "das macht sie anfällig."

Grundsätzlich sieht sich Wolf aber gerade in Zeiten der Finanzkrise bestätigt, vor allem innovative Firmen in der Stadt zu fördern und zu unterstützen. "Innovation ist umso wichtiger in schwierigen Zeiten"; sagte Wolf bei der Vorstellung eines Zwischenberichts zur "Wachstumsinitiative Berlin 2004-2014".

Die Konzentration auf zukunftsweisende Kompetenzfelder habe sich als "die richtige Strategie" für den Standort Berlin erwiesen. So steht Berlin in den Bereichen Biotechnolgie/Medizintechnik/Pharma im Ländervergleich bereits sehr gut da. Weitere Schwerpunkte sind Medien/Informations- und Kommunikationstechnologie, Verkehrssystemtechnik, Optik sowie seit 2007 die Energietechnik.

Rund 7,6 Prozent der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten in Forschung und Entwicklung (FuE). Der Anteil von FuE-Aufwendungen der Wirtschaft am Berliner Bruttoinlandprodukt (BIP) beträgt knapp zwei Prozent und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt. Das zahlt sich aus. So legte die Bruttowertschöpfung der Berliner Industrie im ersten Halbjahr 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,5 Prozent zu. Der Trend sinkender Industriewertschöpfung- und Beschäftigung sei gestoppt, heißt es in dem Bericht.

Doch der Aufwärtstrend ist in Gefahr. Die IHK rechnet 2009 mit Stagnation oder gar mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Der Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin, Burkhard Ischler, warnte zudem vor Fachkräftemangel und demografischem Wandel. So würden zwar bis zu 4000 Ingenieure in den nächsten Jahren die Berliner Unis verlassen. Aber selbst wenn diese in der Stadt bleiben würden, reiche dies nicht, "um alle frei werdenden Stellen zu besetzen", warnte Ischler.

IHK-Präsident Schweitzer forderte deshalb, neue Konzepte zu entwickeln, um bei Berliner Schülern mehr Interesse an naturwissenschaftlichen Fächer zu wecken. Zudem vermisst der Alba-Chef "wirtschaftliches Denken in den Köpfen der Studierenden". Es müsse mehr Enthusiasmus für Unternehmensgründungen geweckt werden. Er schlug vor, eine "Hall of Fame" für die besten Ausgründungen" aus den Universitäten einzurichten.

Denn der Wissenstransfer immer noch ein großes Problem in der Hauptstadt. Nach Ansicht von Ischler braucht die Berliner Wirtschaft vor allem "eine verbesserte Organisation und mehr nachfrageorientierten Wissenstransfer", um die Innovationsfähigkeit der Betriebe zu stärken. Wie dieser Wissenstransfer besser organisiert werden kann, soll am 20. November auf der 2. Berliner Innovation Wirtschaftskonferenz erörtert werden. Wirtschaftssenator Wolf sieht für die Berliner Unternehmen hier noch "erhebliches Wachstumspotenzial", wenn beide Bereiche besser vernetzt werden.

( eag. )