Unternehmen

Berliner Glas sucht Spezialisten

| Lesedauer: 3 Minuten
Birgit Haas

Das Unternehmen Berliner Glas investiert - trotz Finanzkrise und sich abzeichnender Rezession. 17 Mio. Euro hat die Geschäftsführung in ein neues Gebäude am Firmensitz in Neukölln gesteckt. Bis 2009 will Berliner Glas weitere zehn Mio. Euro für Maschinen und Messgeräte ausgeben. "Wir produzieren Glaskomponenten im High-Tech-Bereich.

- Um mit den technischen Entwicklungen mithalten zu können, investieren wir überproportional, abgesehen vom Neubau etwa zehn Prozent vom Jahresumsatz", sagte Eigentümer Herbert Kubatz.

Von der Finanzkrise lässt sich der Inhaber des Unternehmens nicht aufhalten. "Stillstand bedeutet Rückschritt" ist sein Credo. "Wir haben immer sorgfältig geplant, jetzt ziehen wir das durch." Obwohl Kubatz die Wachstumsprognosen der Berliner Glas für das kommende Jahr noch mal prüfen lassen will, zeigt er sich optimistisch. "Seit Jahren bauen wir unsere Geschäftsfelder kontinuierlich aus." Der Umsatz der Branche wächst jährlich um acht bis zehn Prozent.

Im vergangenen Jahr setzte Berliner Glas 120 Mio. Euro um. Rund ein Drittel erwirtschaftete das Unternehmen mit technischen Gläsern, hauptsächlich Fernsehbildschirmen und Displays. 85 Mio. Euro stammen aus dem Bereich Photonics, in dem Berliner Glas vornehmlich Objektive entwickelt. Und der Umsatz soll kräftig steigen.

Jährlich 50 neue Arbeitsplätze

"Der hohe Innovationsgrad in den optischen Technologien ist eine unserer Chancen im Konkurrenzkampf mit Herstellern aus Fernost und Osteuropa", sagte Kubatz. Berliner Glas beliefert die Halbleiterindustrie sowie Firmen der Branchen Informationstechnologie, Biotechnologie und Medizin.

Das Unternehmen beschäftigt 960 Mitarbeiter an fünf Standorten in Berlin, Schwäbisch Hall, China und in den Vereinigten Staaten. 500 davon arbeiten am Hauptstandort Berlin. "Jedes Jahr stellen wir etwa 50 neue Mitarbeiter ein, hochqualifizierte Ingenieure und Fachpersonal", sagte Kubatz. 20 Prozent der Mitarbeiter sind Akademiker, 80 Prozent ausgebildete Feinoptiker und CNC-Fachkräfte. Momentan sind sechs Stellen offen, im kommenden Jahr, wenn das neue Hochtechnologie-Gebäude eröffnet wird, werden es noch mehr.

Bis jetzt steht der Rohbau, der die Produktionsfläche um 8000 Quadratmeter auf 27 000 Quadratmeter erhöht. "Im Gebäude sind insgesamt 3500 Quadratmeter Reinraum-Laboratorien geplant", sagte Kubatz. In der Glasindustrie zählen Sauberkeit und Präzision.

Kubatz ist froh, dass er den Bau des neuen Fabrikationsgebäudes in Neukölln schon vor zwei Jahren geplant hat. "Wenn ich heute mit einem solchen Vorhaben zur Bank gehen würde, wären meine Aussichten auf Erfolg relativ gering - die Banken blockieren solche Projekte derzeit." Angesichts der Finanzkrise und der vorhergesagten Konjunkturschwäche in Deutschland sind die meisten Institute mit Kreditzusagen momentan eher vorsichtig.

Wenn Kubatz seine Großkunden fragt, wie die Prognosen für das kommende Jahr sind, dann erhält er derzeit keine Aussagen - alle sind unsicher. "Ich hoffe, dass das Finanzpaket der Bundesregierung bald wirkt, damit auch andere Unternehmen wieder investieren." Bundestag und Bundesrat haben das 480-Mrd.-Euro-Paket am Freitag beschlossen. Es sieht unter anderem staatliche Hilfen für den Banksektor vor.