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TUI verkauft Hapag Lloyd an Hamburger Konsortium

Die traditionsreiche Reederei Hapag-Lloyd bleibt in Hamburg. Die Mehrheit an der Reederei, ihre Beteiligungen am Container-Terminal Altenwerder und auch die wertvolle Konzernzentrale am Ballindamm werden für 4,45 Mrd. Euro an eine Hamburger Investorengruppe um den Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne abgegeben.

- Ein erheblicher Anteil des Kaufpreises wird in Form einer Schuldenübernahme bezahlt. Der TUI-Konzern beteiligt sich danach für 700 Mio. Euro am Hamburger Konsortium und erhält dafür 33,33 Prozent der Gesellschaft.

TUI-Chef Michael Frenzel sagte: "Wir haben trotz widriger Umfeldbedingungen einen Preis für die Containerschifffahrt erzielt, der den fairen Wert auch unter normalen Marktbedingungen widerspiegelt." Der Verkauf von lediglich zwei Dritteln der Hapag-Lloyd habe diesen Preis ermöglicht. Der Vertreter der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat, Jan Kahman, sagte gegenüber der Berliner Morgenpost: "Die jetzt gefundene Lösung ist gut für die Beschäftigten bei der Hapag-Lloyd und den maritimen Standort Deutschland."

Das Hamburger Konsortium bündelt seine Interessen in einer Kommanditgesellschaft, die als "Hamburgische Seefahrtsbeteiligung Albert Ballin GmbH und Co. KG" firmiert und an der neben Kühne auch das Land Hamburg über die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) mit rund 35 Prozent beteiligt ist. Weitere Mitglieder der Investoren-Gruppe sind die Iduna Vereinigte Lebensversicherung, die M.M. Warburg Privatbank, die HSH Nordbank AG sowie die Hanse Merkur Versicherungen.

Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Reederei in der Containerschifffahrt und beschäftigt weltweit rund 8000 Mitarbeiter. Das Schifffahrtsgeschäft hat zum Umsatz des TUI-Konzerns 2007 rund 6,2 Mrd. Euro beigetragen und lieferte knapp 200 Mio. Euro Gewinn ab.

Mit dem Verkaufserlös will Frenzel jetzt Schulden tilgen, eine Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten und das Reisegeschäfts ausbauen. Der Aufsichtsrat hat den TUI-Konzernchef nun beauftragt, Inves- titionen in die Touristik zu prüfen "einschließlich eines möglichen Übernahmeangebotes der restlichen Aktien der TUI Travel plc.". Diese ist an der Londoner Börse notiert, die TUI AG mit knapp 50 Prozent größter Einzelaktionär.

Fraglich ist allerdings noch, wie der norwegische Großaktionär John Fredriksen auf den Deal reagiert. Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen wird er den jetzt geschlossenen Kaufvertrag mit den Hamburgern juristisch wohl nicht mit Erfolg anfechten können.

Fredriksen hatte seit Jahresbeginn hohen Druck auf das TUI-Management ausgeübt, die beiden Sparten des Konzerns, Schifffahrt und Tourismus, zu trennen, um so den Gesamtwert des Unternehmens zu steigern. Frenzel hatte dann im Sommer den Verkaufsprozess der Schifffahrtssparte eingeleitet.

Die Gruppe um Kühne war als "Hamburger Lösung" ins Leben gerufen worden, um einen Verkauf von Hapag-Lloyd ins Ausland zu verhindern. Bis Freitag war auch die Singapur-Reederei NOL Interessent für die Reederei. Auch die Deutsche Bahn war für eine Übernahme im Gespräch. Die Sondierungen waren aber vor rund drei Monaten auf Eis gelegt worden. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte ein parteiübergreifendes Bekenntnis der Politik für einen Einstieg bei Hapag-Lloyd gefordert - das aber gab es nie.