Der beste Markt

| Lesedauer: 2 Minuten
Holger Zschäpitz

Berlin - Kaum steigen die Märkte, debattieren die Börsianer darüber, welcher Markt mehr Aufwärtspotenzial hat: der amerikanische oder der europäische. In der jüngsten Vergangenheit hätte die Antwort unisono gelautet, dass weder amerikanische noch europäische Aktien Chancen haben. Jetzt aber haben sich sogar schon Lager gebildet: Während die US-Anhänger Anlegern mit Verweis auf die dynamischere Volkswirtschaft amerikanische Titel ans Herz legen, hält die Gegenseite Euro-Aktien für unterbewertet und sieht kräftiges Kurspotenzial.

«Wegen der vergleichsweise besseren Gewinnaussichten für amerikanische Konzerne wird die Wall Street Europa klar schlagen», ist sich Abhijit Chakrabortti von J.P. Morgan sicher. Der Stratege hat zu Wochenbeginn die Lager gewechselt und den US-Markt von «Untergewichten» auf «Neutral» heraufgestuft. Aktien der Eurozone hingegen traut er nur noch eine Außenseiterrolle zu, weshalb er nun zum starken Untergewichten des alten Kontinents in den Depots auffordert.

Die Herabstufung für europäische Dividendenpapiere kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Zum einen hinkt Europa gemessen am Euro-Stoxx-50 seit Jahresbeginn bereits um zehn Prozentpunkte dem US-Index Dow Jones hinterher. Zum anderen stehen heute wichtige Konjunkturdaten beiderseits des Atlantiks an, die den Europa-Skeptikern neue Argumente liefern dürften. «Mit dem erhofften Aufholprozess europäischer Aktien wird es somit nichts», konstatiert ein Frankfurter Fondsmanager. Amerika stehe einfach besser in den Startlöchern für einen erwarteten Aufschwung. Dabei sei nicht nur die gesamte Volkswirtschaft dynamischer und flexibler. Auch hätten die US-Konzerne wieder mehr PS unter der Haube.

Genau an diesem Punkt setzt auch J.P.-Morgan-Stratege Chakrabortti an. Nach seiner Prognose werden die Gewinne und vor allem die Margen der US-Gesellschaften im kommenden Jahr deutlich kräftiger zulegen als die der Eurozone.

Dem mag sich Ben Funnel von Morgan Stanley nicht anschließen. Der Stratege ist mit Leib und Seele Europa-Fan. «Europäische Aktien sind im Vergleich zu amerikanischen Papieren stark unterbewertet.» Die schwächeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien mehr als eingepreist. Er sieht für Aktien der Euro-Zone ein wesentlich größeres Aufwärtspotenzial als für US-Papiere: Es beträgt 22 Prozent. Er rät, Europa im Depot zu Lasten der Wallstreet leicht überzugewichten.