Geld

Gefahren auch für Staatsanleihen

Die Finanzkrise tritt in ein neues Stadium. Nachdem bislang nur Banken unterzugehen drohten, scheinen nun auch ganze Staaten in Gefahr zu sein. Gestern geriet Island an den Rand des Staatsbankrotts. Für Anleger ist diese Entwicklung ein weiterer Schock. Schließlich stellen die Staaten für viele den Fels in der Brandung dar.

- Nicht nur in Deutschland, sondern überall richtet sich die Hoffnung verunsicherter Sparer darauf, dass die Regierung mit ihrer vermeintlichen finanziellen Allmacht das Schlimmste abwenden wird.

In den zurückliegenden Tagen hatten mehrere europäische Staaten Garantien für die Einlagen ihrer Bürger abgegeben, darunter Irland, die Guthaben in Höhe der dreifachen jährlichen Wirtschaftsleistung garantierte, und die Bundesrepublik Deutschland, die für 1,3 Billionen Euro und damit rund die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts bürgte.

Vor der Island-Krise schien die Gefahr von Zahlungsausfällen ganzer Nationen in Westeuropa der Vergangenheit anzugehören. Seit den 80er Jahren galten diese Staaten als so solide, dass die Gefahr, Schulden nicht zurückzahlen zu können, als minimal galt.

Ob die Tiger-Staaten 1997, Russland 1998 oder Argentinien 2002 - alle jüngeren Fälle von Staatsbankrotten spielten sich weiter weg ab. Zum letzten Mal wackelten staatliche Schuldner in Europa in den Siebzigerjahren wegen Rezession und Ölkrise. Damals drohten Frankreich und Italien zu kippen.

Auch die Anleihemärkte gaben Entwarnung: Seit den Neunzigerjahren schrumpften die Risikoaufschläge selbst von notorischen Wackelkandidaten wie Italien oder Griechenland. Bei den Euro-Staaten war teilweise überhaupt kein nennenswerter Zinsunterschied mehr zu verzeichnen.

Höhere Risikoaufschläge

Französische Staatsanleihen warfen praktisch soviel ab wie deutsche. Auch italienische Anleihen brachten Investoren nur unwesentlich mehr als Bundespapiere. Noch Anfang des Jahres betrug der Risikoaufschlag bei Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit nur 0,3 Prozentpunkte - angesichts der hohen Staatsverschuldung des europäischen Lands, die bei rund 104 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt, nur schwer nachzuvollziehen.

Seit Zuspitzung der Finanzkrise wird wieder stärker differenziert. Am Dienstag verlangte der Markt für italienische Staatanleihen einen Risikoaufschlag von 0,83 Prozentpunkten, bei griechischen Staatsanleihen 0,90 Prozentpunkte.

"Wir erleben im Moment, dass sich viele Investoren von risikoreicheren Staatsanleihen trennen", sagt Birgit Figge, Rentenexpertin bei der DZ Bank. Diese Verkäufe hätten dazu beigetragen, dass die Risikoaufschläge gestiegen seien.

Gutes Chance-Risiko-Verhältnis

Abzulesen ist das neue Risikobewusstsein bei den Staatsanleihen an den Prämien für Ausfallversicherungen, den sogenannten CDS (Credit Default Swaps). Ebenso wie sich Autofahrer gegen Blechschäden ihres Gefährts versichern können, versichern sich Investoren gegen Zahlungsunfähigkeit von Staaten. Je höher die Prämie, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit einer Pleite eingeschätzt. Beispiel Island: Kostete die Absicherung für einen Anleihen-Nennwert von 10 000 Euro Anfang 2006 nur 5,30 Euro, so ist sie inzwischen nicht mehr für unter 1000 Euro zu haben.

Auch wenn Island ein Extremfall ist: Auch die Ausfallversicherungen für die Anleihen anderer Staaten haben sich markant verteuert. Statt zwei Euro müssen sich Anleger jetzt 31 Euro für eine Absicherung gegen einen möglichen Bankrott der Bundesrepublik Deutschland zahlen. Bei Griechenland schoss der Preis für die Prämie von elf auf 100 Euro. Bei Italien kostet die Absicherung 90 Euro, bei Spanien 86 Euro, bei den USA 38 Euro.

Manche Beobachter halten die aktuellen Risikoaufschläge für übertrieben. Bei einigen Ländern könnten Anleger die Risikoaufschläge nutzen, um sich hohe Zinsen zu sichern. Figge sieht bei spanischen Staatsanleihen, die rund einen halben Prozentpunkt mehr abwerfen als Bundespapiere, ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis.