Gefälschte Bilanzen?

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Frankfurt/Main - Der Finanzdienstleister MLP kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Nachdem schon zwei Verfahren wegen angeblichen Insiderhandels gegen das Unternehmen laufen, wird nun offenbar auch wegen des Verdachts auf Kursmanipulationen und Bilanzfälschung gegen die Heidelberger ermittelt.

Der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski bestätigte ein Verfahren seiner Behörde wegen «unrichtiger Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse». In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume MLPs durchsuchen lassen. Einzelheiten wollte Jobski nicht nennen. «Das ist ein laufendes Verfahren, das sich auch noch einige Zeit hinziehen wird.» Der Oberstaatsanwalt glaubt nicht, dass die Ermittlungen gegen MLP noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.

Das Ermittlungsverfahren gründet Justizkreisen zufolge auf dem Vorwurf von Bilanzmanipulationen im Zusammenhang mit einer Provision für eine Lebensversicherung. Ein Magazin hatte berichtet, dass der ehemalige MLP-Chef Manfred Lautenschläger seine Tochter über MLP beim Versicherungskonzern Gerling mit einer Mrd. Euro zunächst versichert, später aber den Antrag wieder zurückgezogen haben soll. Die fällige Provision von Versicherungsvermittler MLP in Höhe von rund 60 Mio. Euro sei in der Bilanz 2001 erschienen, ehe der Konzern im Januar 2002 die Provision an Gerling zurückerstattet habe. Lautenschläger ist jetzt Aufsichtsratschef des Unternehmens.

Einen bitteren Beigeschmack hinterlässt die Tatsache, dass der erst kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Chef der Kölner Gerling-Leben, Jochen Aymans, lange Zeit Mitglied im MLP-Vorstand war. Sowohl MLP als auch Gerling wiesen die Vorwürfe um die fingierte Lebensversicherung zurück. Eine solche Versicherung sei nie abgeschlossen worden, sagten beide Unternehmen übereinstimmend. Indes hieß es aus unternehmensnahen Kreisen, dass es bei MLP ein offenes Geheimnis gewesen sei, dass mehrere Vorstände und auch Konzernchef Lautenschläger derartige Geschäfte unter der Bezeichnung XXL-Tarife abwickelten. Hierbei soll es sich aber nicht wie bisher behauptet um Policen in Höhe von rund einer Mrd. Euro, sondern einer Mrd. DM gehandelt haben.

Neben der Staatsanwaltschaft ermittelt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) gegen MLP. Die Behörde sieht Anhaltspunkte für den Verdacht auf Kurs- und Marktpreismanipulationen, wie die Behörde bestätigte. Die Finanzaufsicht wollte allerdings nicht sagen, gegen wen sich der Verdacht richtet. Darüber hinaus analysiert die Behörde, ob es im Zusammenhang mit der am 2. August publizierten Gewinnwarnung zu Insidergeschäften gekommen ist.

Die BAFin hatte außerdem wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte mit MLP-Papieren bei der zuständigen Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige eingereicht. Dabei soll geklärt werden, ob es vor der am 30. September 2000 angekündigten Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien zu Insidergeschäften gekommen ist. cadi/as/AA