BDO-Prüfer wehren sich

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Norbert Schwaldt

Nach dem Wirbel um einen angeblichen Bilanzskandal bei der Bankgesellschaft Berlin geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in die Offensive. Sie weist Behauptungen zurück, Abschlüsse der Immobilientochter IBG vorsätzlich falsch testiert zu haben.

Berlin/Hamburg - Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand AG hat die vom «Handelsblatt» und dem ARD-Magazin «Kontraste» erhobenen Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Die Behauptung, die BDO habe Jahresabschlüssen der IBG, einer Tochter der Bankgesellschaft Berlin, vorsätzlich ein falsches Testat erteilt, entbehre jeder Grundlage und widerspreche dem tatsächlichen Sachverhalt. Der Entwurf eines Berichtes des Wirtschaftsprüfers Achim Walther vom 26. Juli 1997 sei von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in strittigen Punkten widerlegt.

Der Vorwurf, die BDO habe den Entwurf eines Berichtes des vom ehemaligen Landesbank-Chef Ulf-Wilhelm Decken angeheuerten Sonderprüfers Walther missachtet und in der Schublade verschwinden lassen, widerspreche den Tatsachen, wehrt sich die BDO. Ein ehemaliges IBG-Aufsichtsratsmitglied erinnert sich, dass der Walther-Bericht nie auf der Tagesordnung des Kontrollgremiums stand und dort auch nicht diskutiert wurde.

Die Auffassungen des Sonderprüfers Walther seien in den wesentlichen Punkten unzutreffend, erklärte die BDO am Montag. Die aus dem Prüfungsbericht von Walther zitierten Behauptungen suggerierten, den Risiken aus Mietgarantien und Andienungsrechten sei in den testierten Jahresabschlüssen nicht ausreichend durch Rückstellungen Rechnung getragen worden. Die Ermittlung der Rückstellungen basierten auf «plausiblen Schätzmethoden», die statistischen Überlegungen besonders wegen der Langfristigkeit der Risikozeiträume Rechnung trägen.

Bei der BDO ist man überrascht, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nun Vorbehalte gegen ihre Wirtschaftsprüfer haben soll. «Wir haben vom BaFin mehr Aufträge als das ,Handelsblatt' Seiten hat», sagte ein Prüfer. Der Walter-Bericht über die fehlende Vorsorge für großzügige Mietgarantien der Bankgesellschaftstochter IBG (heute Ibag) war erst im Februar 2002 im Rahmen einer Prüfung von Schadenersatzansprüchen des Berliner Konzerns aufgetaucht. Die Kanzlei Clifford Chance Pünder hatte neben Schadenersatzansprüchen an ehemalige Manager auch Regressansprüche an nicht genannte Wirtschaftsprüferunternehmen untersucht. Die BDO ist seit diesem Jahr nicht mehr für die Bankgesellschaft tätig. Künftig wird Price Waterhouse Coopers Konzern und Töchter prüfen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft und die vom ehemaligen Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen mit einer Sonderprüfung beauftragte Fides Treuhandgesellschaft hatten schon 1997 erhebliche Mängel im Risiko-Management der IBG festgestellt. In den der Morgenpost vorliegenden Berichten wird auf «Mängel des Gesamtkonzepts» hingewiesen. Staatsanwälte vermuten sogar ein «Schneeballsystem», mit dem aus der Neuauflage von Geschlossenen Immobilienfonds der IBG Liquidität zugeflossen sei.