So bleiben Renten und Pensionen steuerfrei

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Barbara Brandstetter

Endlich im wohl verdienten Ruhestand. Kein nerviger Chef, keine geschwätzigen Kollegen und auch kein alljährlicher Papierkrieg mit dem Finanzamt mehr.

Endlich im wohl verdienten Ruhestand. Kein nerviger Chef, keine geschwätzigen Kollegen und auch kein alljährlicher Papierkrieg mit dem Finanzamt mehr. Das Leben als Ruheständler könnte so schön sein - hätte es nicht 2005 eine tief greifende Rentenreform gegeben und hätte der Gesetzgeber nicht die nachgelagerte Besteuerung eingeführt. Aber das neue Alterseinkünftegesetz hat vieles auf den Kopf gestellt und das geruhsame Dasein zahlreicher Rentner gestört: Denn immer mehr Ruheständler müssen nun doch die grauen Bögen des Finanzamtes ausfüllen - und das zeitlebens.

Seit dem Jahr 2005 wird die gesetzliche Rente nicht mehr mit dem Ertragsanteil versteuert, sondern für alle Bestandsrentner und diejenigen, die sich 2005 in den Ruhestand verabschiedet haben, mit 50 Prozent. Wer 2007 in den Ruhestand gegangen ist, muss 54 Prozent seiner Rente versteuern. Der Prozentsatz steigt von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang, bis im Jahr 2040 die komplette Rente versteuert werden muss. Von dieser Regelung sind die gesetzliche Rente, vorgezogene Alters-, Witwen- und Witwerrenten, Waisen- und Erwerbsminderungsrenten betroffen.

Eine Steuererklärung müssen Ruheständler in jedem Fall bei ihrem zuständigen Finanzamt einreichen, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte bei Alleinstehenden 7664 Euro und 15 328 Euro bei Verheirateten übersteigt ( siehe links ). Ist dies der Fall, müssen Ruheständler ihre Einkünfte und Ausgaben akribisch in der Anlage R auflisten. Die Einkünfte können Rentner mit Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen mitunter erheblich drücken ( siehe unten ). Auf das steuerpflichtige Einkommen wird dann wie bei allen anderen Steuerzahlern der individuelle Steuersatz fällig. Dieser liegt zwischen 15 und 42 Prozent plus 5,5 Prozent Soli.

Gesetzliche Rente

In den Zeilen vier bis 13 müssen Rentner Leibrenten eintragen, die mit dem Besteuerungsanteil steuerpflichtig sind. In diese Rubrik fallen Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Auszahlungen aus Rürup- oder Basisrenten, landwirtschaftlichen Altersklassen sowie Renten aus berufständischen Versorgungseinrichtungen. Seit dem Jahr 2005 werden diese Renten mit dem Besteuerungsanteil versteuert ( siehe Grafik ). Entscheidend für die Höhe des Besteuerungsanteils ist das Jahr, in dem sich der Rentner in den Ruhestand verabschiedet. Wer 2007 in den Ruhestand gegangen ist, muss 54 Prozent seiner Rente versteuern. Der Rentenfreibetrag beträgt demnach 46 Prozent. Dieser wird für die gesamte Rentenzeit festgeschrieben. Im Klartext bedeutet dies: Jede Rentenerhöhung wandert in den steuerpflichtigen Topf. Für Renten aus berufständischen Versorgungswerken, die etwa Apotheker, Zahnärzte oder Ärzte beziehen, hat der Gesetzgeber eine Öffnungsklausel eingerichtet. "Wer vor dem 1. Januar 2005 mindestens zehn Jahre lang Beiträge geleistet hat, die über den Jahreshöchstbetrag in der gesetzlichen Rentenversicherung hinausgingen, kann beantragen, dass die auf diesen Beiträgen beruhende Rente lediglich mit dem Ertragsanteil versteuert wird", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Renten

In die Zeilen 14 bis 19 müssen Ruheständler Leibrenten eintragen, die in der Ansparphase aus versteuertem Einkommen finanziert wurden. Das sind etwa Renten aus privaten Rentenversicherungen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden sowie Renten aus betrieblichen Pensionskassen und Direktversicherungen. Diese müssen Ruheständler lediglich mit dem günstigen Ertragsanteil versteuern. Und anders als etwa bei der gesetzlichen Rente, ist nicht das Jahr entscheidend, in dem der Ruhestand eingeläutet wird. Der steuerpflichtige Ertragsanteil richtet sich bei diesen Renten nach dem Alter zu Beginn der Rentenzahlung ( siehe Grafik ).

Ein Beispiel: Wer mit 65 erstmals eine Auszahlung aus einer privaten Rentenversicherung erhält, muss diese lediglich mit einem Ertragsanteil von 18 Prozent versteuern.

Pensionen

Bezüge von Beamten und Betriebsrenten aus Unterstützungskassen und Pensionszusagen müssen Ruheständler nicht in die Anlage R, sondern in die Anlage N eintragen. Diese sind in voller Höhe steuerpflichtig. Die Renten begünstigt der Fiskus durch den Versorgungsfreibetrag und den Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag. All diejenigen, die 2007 in Pension gegangen sind, haben zeitlebens einen Anspruch auf einen Versorgungsfreibetrag von 36,8 Prozent - maximal jedoch 2760 Euro. Hinzu kommen ein Zuschlag von 828 Euro und ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro. In den kommenden Jahren wird der Versorgungsfreibetrag sukzessive abgeschmolzen. Wer sich 2040 in den Ruhestand verabschiedet, muss seine Versorgungsbezüge in voller Höhe versteuern und kann lediglich noch den Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 102 Euro geltend machen.

Weitere Einkünfte

Wer neben Rente oder Pension noch weitere Einkünfte wie etwa Mieteinnahmen, Arbeitslohn oder Kapitalerträge hat, muss diese normal versteuern. In diesem Fall berücksichtigt das Finanzamt bei allen Steuerzahlern, die das 64. Lebensjahr vollendet haben, einen Altersentlastungsbetrag ( siehe Tabelle und Erläuterung unten ). Die Serie im Internet unter

www.morgenpost.de/steuern2008