Technik

100 Elektroautos für Berlin

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Marco Dalan

Start frei für "E-Mobility Berlin": Der Stuttgarter Automobilhersteller Daimler und der Essener Energiekonzern RWE wollen ab Ende 2009 im weltweit größten Gemeinschaftsprojekt für klimafreundliche Elektroautos 100 Kleinwagen in Berlin testen. "Die Zukunft der Mobilität ist grün, und die deutsche Industrie hat alle Voraussetzungen, um auf den Weg dorthin eine Führungsrolle zu übernehmen", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Vorstellung des Gemeinschaftsprojekts in Berlin.

- Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem wegweisenden Projekt für Berlin, die Autoindustrie und die Energiewirtschaft. Die Idee werde sich schneller durchsetzen als alle denken.

Daimler stellt mehr als 100 Autos der Marken Smart und Mercedes-Benz zur Verfügung. Sie werden mit der neuesten Generation von Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet sein, die im Vergleich zu konventionellen Batterien eine größere Reichweite bei kürzerer Ladezeit haben. RWE übernimmt Entwicklung, Aufbau und Betrieb der 500 Strom-Ladestationen in Berlin.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, bezeichnete das Projekt von RWE und Daimler als "wichtige Vorstufe auf dem Weg zur Elektromobilität". Er stellte es auf eine Stufe mit anderen Projekten und Vorhaben in der PS-Branche wie dem E-Golf-Flottenprogramm von Volkswagen, dem Volt-Projekt von Opel oder dem geplanten E-Mini von BMW. "Auch bedeutende Zulieferer wie beispielsweise Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen arbeiten mit Hochdruck mit ihren Partnern an zukunftsweisenden Elektro- und Batterieprojekten", sagte der VDA-Präsident.

Automobilexperten beurteilen die Marktchancen von Elektrofahrzeugen unterschiedlich. Bis zum Jahr 2015 dürfte der Markt für Batterie gestützte Elektroautomobile in Deutschland auf etwa 30 000 Fahrzeuge steigen, schätzt Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen. Als Nachteil sieht er weiterhin die geringe Reichweite von 100 bis 150 Kilometer. Dies würde den Einsatz von E-Autos auf den Stadtbereich beschränken. Leistungsstärkere Batterien würden 12 000 bis 15 000 Euro kosten. Längerfristig rechnet Diez bis zum Jahr 2020 mit einem Weltmarktanteil von Elektroautos von fünf bis zehn Prozent. Das entspräche einem Volumen von drei bis 6,5 Mio. Fahrzeugen.

Optimistischer ist Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research. "In Europa gehen wir davon aus, dass um das Jahr 2025 nur noch Neuwagen verkauft werden, die entweder Hybride oder reine Elektroautos sind, das heißt, auf den Generator an Bord verzichten", so Dudenhöffer. Dies entspräche rund 16 Mio. verkauften Elektroautos oder Hybriden im Jahr 2025 allein in Europa. Die Preise für die Batterien dürften dann auf etwa 2000 Euro gesunken sein. Und der Spritverbrauch bei einem Fahrzeug der Golf-Klasse liegt dann bei etwa einem Liter auf 100 Kilometer.

Laut Dudenhöffer wird sich die Entwicklung in vier Phasen vollziehen. Die erste Stufe laufe bereits und werde von Toyota mit seinem Hybrid-Modell Prius bestimmt. Die zweite Stufe starte ab 2009. Dann werde in Europa der sogenannte Parallel-Hybrid in die Serienproduktion einfließen. Der verfügt über zwei Kraftfluss-Wege: Einer führt vom Verbrennungsmotor übers Getriebe zu den Antriebsrädern, der andere vom Elektromotor zum Getriebe und dann zu den Rädern. Allerdings sind die Batterien noch sehr teuer. Der Start der dritten Stufe ist ab 2015 zu erwarten. Dann, schätzt Dudenhöffer, dürfte der Durchbruch zu kostengünstigen Lithium-Ionen-Batterien gelungen sein. Dominierend dürfte dann der "serielle Hybrid" werden. Dabei erfolgt der Antrieb eines Autos nur über den Elektromotor - ein kleiner Verbrennungsmotor erzeugt als Generator bei Distanzen ab 100 Kilometern den Strom. Die vierte Stufe schließlich beginne 2025.