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Mit dem Verkauf der Dresdner stirbt ein Mythos

Der letzte gute Rekord der Dresdner Bank ist 30 Jahre alt. 1978 weihte sie ihr Hochhaus im Frankfurter Bahnhofsviertel ein. Es war zu dieser Zeit das höchste Bankgebäude Europas. Und auch die Bank selbst stand in der Hackordnung der Finanzbranche weit oben. Das Kreditinstitut zog an den Strippen der industriellen Macht im Beteiligungsgeflecht der Deutschland AG und genoss den Ruf als noble Adresse für wohlhabende Kunden.

- Der Deutschen Bank begegnete man auf Augenhöhe. Es war die goldene Ära.

Bis 1990 blieb das Frankfurter Hochhaus das höchste Gebäude in Deutschland. Seither sind nicht nur etliche Bürotürme weiter in den Himmel gewachsen. Auch die heutige Dresdner Bank ist weit zurückgefallen. Binnen gut zehn Jahren ist aus einer stolzen Größe der Bankenwelt ein Klotz am Bein eines Versicherungskonzerns geworden. Nun verschwindet die Dresdner in der Commerzbank - einer Konkurrentin, auf die Kunden und Mitarbeiter der Dresdner jahrzehntelang spöttisch herabgeblickt haben.

Wechselvoll verlief die 136-jährige Geschichte der Bank von Anfang an. Die Bankenkrise des Jahres 1931 machte dem 1872 gegründeten Kreditinstitut fast den Garaus, im Nationalsozialismus stieg die besonders regimetreue Dresdner zu neuer Größe auf. Nach der Zerschlagung durch die Alliierten wird sie 1957 neu gegründet und beginnt ihren Aufstieg zu einer der einflussreichsten Banken der Welt.

Doch in den Neunzigerjahren beginnt der Mythos Stück um Stück zu bröckeln. Erst erschüttert eine spektakuläre Steueraffäre die Bank, dann hat sie wenig Fortune beim Einstieg ins Londoner Investmentbanking. Im Jahr 2000 sollte eine spektakuläre Hochzeit das alles vergessen machen: Deutsche und Dresdner wollten sich zu einer der größten Banken der Welt zusammenschließen, doch die Fusion endet im Debakel. Schweren Herzens übernimmt 2001 der Großaktionär Allianz die Dresdner selbst. Doch die Leidensgeschichte setzt sich fort. Als die Konjunktur kurz darauf einbricht, muss die Dresdner Bank Milliarden auf faule Kredite abschreiben. Vergangenes Jahr kommt die Finanzkrise hinzu.

Nach all den Jahren sind die Mitarbeiter frustriert, und auch die Marke ist angeschlagen. "Heute ist die Marke Commerzbank stärker als Dresdner Bank", sagt Jürgen Kaeuffer. Seine Firma Semion ermittelt den Wert der wichtigsten Marken in Deutschland.