Action

Tapferes Vatersöhnchen

Mit Pfeil und Bogen den amerikanischen Präsidenten retten: „Big game“

Über dem bayerischen Zugspitzland, das die Wildnis im Norden Finnlands darstellen soll, wird kein Geringerer als Samuel L. Jackson aus dem Flugzeug geworfen, in der Rolle eines US-Präsidenten namens Willam Allan Moore. Er fällt ausgerechnet dem 13jährigen Nachwuchsjäger Oskari (Onni Tommila) vor die Füße, der weder Zeit noch Lust hat, Präsidenten zu retten und sie zurück in die Zivilisation zu führen. So beginnt „Big Game“, der zweite Spielfilm des finnischen Regisseurs Jalmari Helander und wurde mit finnischem, britischen und deutschen Mitteln finanziert.

Der Eindruck drängt sich auf, dass mal wieder ein Star eingekauft wurde, um den Versuch zu adeln, als europäische Allianz Action-Abenteuer-Kino auf Weltniveau zu produzieren. Soweit so angetan, um zur Zielscheibe von Hohn und Spott zu werden.

Wenn man jedoch alle Skepsis und Ressentiments erst einmal überwunden hat und sich in Erinnerung ruft, dass das Kino ja unter anderem genau dafür da ist, wahr zu machen, was nicht wahr sein darf, lässt sich diesem „Big Game“ auch einiges abgewinnen. Schon die doppelte Bedeutung des Titels („Big Game“ lässt sich auch mit „Großwild“ übersetzen) verweist auf die hübsche Ironie, mit der hier verschiedene Strategien von Männlichkeitsbeweis und Machterhaltung nebeneinander gestellt und in Ihrer Substanzarmut bloßgestellt werden.

Das zunächst alles andere als mutige Vatersöhnchen Oskari soll nämlich von einem Tag auf den nächsten mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegen. Er begibt sich dabei in Lebensgefahr, nur um von den Männer seines Dorfes als einer der ihren akzeptiert zu werden. Der Präsident der USA – also sozusagen der Platzhirsch der Weltgemeinschaft – hat indes Mühe, seine Amtsmüdigkeit vor den engsten Mitarbeitern zu verbergen. Und auch der Terrorist Hazar (Ex-Tatort-Kommissar Mehmet Kurtulus) entpuppt sich als Widerspruch seiner selbst: Er mag als Krieger im höheren Auftrag mit seiner Panzerfaust zwar die Air Force 1 spektakulär vom Nachthimmel holen, verfolgt aber nur die plumpen Ziele seiner Auftraggeber.

Neben der Ausstellung einer imposanten Natur und aufwendiger Special-Effects geht es „Big Game“ also vor allem darum, den Eigensinn und sich rasant entwickelnden praktischen Mut des kleinen Oskari zu loben. Das Kind wird als authentischer Held den erwachsenen Selbstdarstellern, Blendern und Intriganten gegenübergestellt. Das funktioniert oft recht gut, auch wenn den jungen Onni Tommila, der schon in „Rare Exports“, dem Debüt von Regisseur Helander eine tragende Rolle spielte, das dramatische Fach nicht so recht zu liegen scheint.

Auch manche absurde Action-Sequenz sucht die Nähe zum Trash. Tatsächlich ärgerlich wird es aber, wenn Helander dem Streben folgt, großes Kino zu machen und dabei der Blick fürs Detail abhanden kommt. So baut Oskari eingehenderen Kontakt zu Präsident Moore nach alter Pfadfindermanier zunächst mit einem Dosentelefon auf.

Das klappt sehr gut – auch dann, wenn die Schnur zwischen beiden Dosen deutlich sichtbar durchhängt. Dass das in Wirklichkeit nicht funktionieren kann weiß jedes Kind. Man fühlt sich hier im wahrsten Sinne um die Spannung betrogen.

Action: USA 2014, 91 Minuten, von Jalmari Helander, mit Samuel L. Jackson, Onni Tommila

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