Komödie

Im Chaos liegt die Kraft

Eine verwirrende Geschichte über Liebe, Politik und Vergänglichkeit: „Amapola“

Filme, die vom Theater handeln, versuchen oft das Beste zweier Welten zusammenzubringen. Eugenio Zanettis „Amapola“, mit dem der oscar-prämierte argentinische Ausstatter ein spätes Spielfilmdebüt wagt, ist dafür das beste Beispiel. Das Hier und Jetzt der Bühne verbindet er mit den im Kino möglichen Zeitsprüngen von Epoche zu Epoche. Die Unmittelbarkeit des Theaterspiels will er nahtlos übergehen lassen in die cineastische Romantik von Großaufnahmen. Das Ergebnis ist ein solches Durcheinander, dass man sich fragt, ob genau das so gewollt ist. Soll Chaos der einzige Weg sein, um von Liebe, Politik und Vergänglichkeit zu erzählen?

Anzugeben, wovon „Amapola“ handelt, bedeutet deshalb Ordnung stiften zu wollen, wo genau solche vermieden wird. Im Mittelpunkt steht Ama (Camilla Belle), jüngster Spross eines Theaterclans in Argentinien, der über sein eigenes Reich verfügt: eine Insel mit einem Hotel darauf, das einen Opernsaal umfasst. Als Ama zehn Jahre alt ist – 1952: das Land befindet sich in Trauer um Eva Peron – schließt sie mit dem Schicksal eine Wette ab. Als die sich zehn Jahre später – 1962: das Militär putscht sich an die Macht – erfüllen soll, nimmt das Drehbuch des Lebens überraschende Wendungen. Um zwanzig Jahre in die Zukunft versetzt – 1982: Argentinien trägt mit Großbritannien den Krieg um die Falklandinseln aus –, besichtigt Ama die traurigen Trümmer des einst so prächtigen Theaterreichs. Sie erinnert sich an einen Rat ihrer Großmutter (Geraldine Chaplin) und träumt sich deshalb die Vergangenheit noch einmal neu.

Zwischen seinen drei Zeitebenen springt „Amapola“. Und jedes Mal wird gleichzeitig Shakespeares „Mittsommernachtstraum“ in einer Opernfassung gespielt, so dass sich die Ebenen wiederum verdoppeln. Die Liebesintrigen des Stücks gleichen dabei denen der Figuren – oder ist es umgekehrt? Zanetti möchte von vielem erzählen, vom Drama seines Landes, vom Schicksal einer Theaterfamilie, vom fragilen Glück der jungen Liebe. Er hat zu viel gewollt.

Komödie: USA 2014, 85 Minuten, von Eugenio Zanetti mit Camilla Belle, Geraldine Chaplin

++---