Drama

Der amerikanische Traum

Kevin Costner mischt als Sportlehrer in einer kalifornischen Kleinstadt den Alltagstrott auf: „City of Mcfarland“

Es läuft alles andere als rund für Jim White. Gerade hat er seinen Posten als Coach einer Highschool-Footballmannschaft verloren, weil er zu rabiat mit einem renitenten Spieler umgegangen ist. Also wird er strafversetzt und zieht mit seiner Frau und den beiden pubertierenden Töchtern in die kalifornische Kleinstadt McFarland, wo vor allem Lateinamerikaner aus armen Verhältnissen leben.

Spanisch ist die Sprache der Straße und die blonden Whites sind hier natürlich die Exoten. Er fängt als Assistenztrainer des Footballteams an, das aus lauter hageren und untersetzten Latinos besteht, die jede freie Minute auf dem Feld stehen und entsprechend desaströs sind. Zumindest als bullige Quarterbacks. Wenn es aber um Ausdauer und Laufen geht, macht ihnen freilich kaum einer was nach. Also überzeugt er die Migrantenkinder, den weißen Mittelklassesport Crosslaufen zu kapern. Wer könnte schließlich besser querfeldein laufen als diese Kids?

Es ist natürlich kein Zufall, dass der ausgewaschene Trainer ausgerechnet mit Kevin Costner besetzt wurde, der auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Die sieben Oscars für „Der mit dem Wolf tanzt“ sind ein Vierteljahrhundert her, nach dem Megaflop „Waterworld“ 1995 und seinem selbstinszenierten Western „Open Range“ acht Jahre später kam nicht mehr viel.

Aber jeder verdient eine zweite Chance und „City of McFarland“ macht diesen zutiefst amerikanischen Traum gleich auf mehreren Ebenen wahr. Dabei ist die Regisseurin Niki Caro gar keine US-Bürgerin, sondern aus Neuseeland, die 2002 mit dem Drama „Whale Rider“ über ein Maori-Mädchen und drei Jahre später mit „Kaltes Land“ über den Kampf einer Minenarbeiterin im Norden der USA zwei vielversprechende Spielfilme drehte und danach unerklärlicherweise in der Versenkung verschwand.

Es ist also auch für sie ein Versuch des Neustarts. Und tatsächlich ist dieser Wohlfühlfilm aus dem Hause Disney trotz aller Formelhaftigkeit ein recht sympathisches Exemplar des populären Subgenres Sportdrama über Außenseiter, die es allen zeigen. Zumindest in Hollywood scheint sich der Einsatz gelohnt zu haben. Doch außerhalb der Vereinigten Staaten haben es solche Filme meist schwer.

Und was nützen schon Höchstleistungen, wenn dabei keiner zuschaut?

Drama: USA 2015, 125 Min., von Niki Caro, mit Kevin Costner, Maria Bello, Carlos Pratts, Morgan Saylor

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