Actionkomödie

Auf Highheels durch Texas

Reese Witherspoon soll als Polizistin eine wichtige Zeugin zum Gericht begleiten: „Miss Bodyguard“

Die Polizistin Rose Cooper (Reese Witherspoon) bekommt den ersten anspruchsvollen Auftrag ihrer Karriere: Sie soll Daniella Riva (Sofía Vergara), eine wichtige Zeugin im Prozess gegen einen Drogenbaron, 450 Kilometer weit durch Texas geleiten und sicher beim zuständigen Gericht abliefern. Das komische Potential dieser nicht sonderlich originellen Geschichte ist zum einen soziokultureller Natur: Zwei selbstbewusste und doch sehr gegensätzliche, erwachsene Frauen treffen auf ihrer Fahrt durch einen der konservativsten Staaten der USA fast ausschließlich hemdsärmelige, mental in der Präpubertät verharrende Mannsbilder, die verschreckt mit ihrem Gewehr drohen, sobald sie das Wort „Menstruation“ auch nur hören. Der wirkliche Trumpf steckt hier allerdings im Umgang mit Körperlichkeit. Das beginnt schon mit den tatsächlichen Maßen der Stars: Wenn die 1,56 Meter kleine Witherspoon die 1,70 Meter große, notorische Highheels-Trägerin Vergara an die Handschellen legt, ist es für die Schutzverhaftete kein Problem, ihre „Miss Bodyguard“ wie ein störrisches Hündchen einfach hinter sich her zu ziehen. Solche Momente, in denen Genre-Konventionen rein körperlich ironisiert werden, durchziehen den ganzen Film.

Stimmig umgesetzt, erzählen sie viel über das hier eigentlich verhandelte Thema: Es geht um falsche Bilder, die man von sich selbst hat oder die andere von einem haben und zu Vollsperrungen oder zumindest zu Stolperfallen auf dem eigenen Lebensweg werden können. Rose Coopers Ehrgeiz, ein ebenso guter Polizist wie ihr verstorbener Vater zu werden, lässt sie einen geradezu lächerlichen, streberhaften Ehrgeiz an den Tag legen – was nichts daran ändert, dass sie als ziemlich kleine, zierliche Frau, der ein blonder Pony unvorteilhaft über die Augen zu wachsen droht, keine besonders autoritäre Ausstrahlung besitzt.

Wie Regisseurin, Choreographin und Tänzerin Anne Fletcher („Step Up“, „27 Dresses“) hier mitunter schmerzhafte Prozesse mit brachialem Humor behandelt, ist ihr genauso hoch anzurechnen, wie die Bereitschaft von Witherspoon und Vergara, noch die albernsten Einfällen des Drehbuchs vorbehaltlos mit Leben zu erfüllen. (Oder wann hat man zum letzten Mal eine Oscar-Preisträgerin als vollgekokste Polizistin wie ein Hase durch die Wäscheabteilung eines Bekleidungsgeschäftes hüpfen sehen?)

Dass „Miss Bodyguard“ trotz allem eher missglückt ist, liegt entweder am Drehbuch der Sitcom-Autoren David Feeney („2 Broke Girls“) und John Quaintance („Ganz schön schwanger!“), das mehr wert auf Klamauk, statt auf eine tragfähig erzählte Geschichte legt. Oder es wurde irgendwann entschieden, jede Szene, die Rose Cooper und Daniella Riva dem Zuschauer wirklich nahe gebracht hätte, einem Tempo zu opfern, das in erster Linie auf unbeholfene Weise schrill wirkt und die meisten Pointe killt, statt sie wirkungsvoll zu setzen.

Actionkomödie: USA 2015, 87 min., von Anne Fletscher, mit Reese Witherspoon, Sofia Vergara

++---