Zwölf Stunden

Die der Queen den Marsch blasen

Ein Besuch beim Wachbataillon und den Feldjägern in der Julius-Leber-Kaserne. Auch die Operationszentrale der Bundeswehr für bundesweite Hilfseinsätze arbeitet in Wedding

05:00 „1. Zug AUFSTEHEN!“, hallt es durch den Gang in der Julius-Leber-Kaserne. Lautstark reißt ein Soldat vom Zugdienst seine Kameraden aus ihren Träumen. In den Stuben beginnt der Arbeitstag der Soldaten. In 20 Minuten müssen sie auf dem Gang antreten. Geduscht und rasiert, in tadelloser Uniform. Bei vielen der Rekruten würde der Wecker bereits 15 Minuten vor dem offiziellen Wecken klingeln, verrät ein Hauptfeldwebel. Zu spät kommen möchte keiner.

05:20 Zum ersten Antreten haben sich 37 junge Männer im Flur aufgereiht. Ein Hauptfeldwebel mustert die Rekruten. Sind sie rasiert? Haben die Männer ihre Stiefel geputzt? Sind alle Taschen der Uniform geschlossen? Es folgen kurze, knappe Befehle. Frühsport. 15 Minuten. Runter auf den Boden. Liegestütze. Anschließend geht es zum Frühstück.

07:30 „Gefährdungsstufe Alpha“ steht auf einem Schild an der Wache der Julius-Leber-Kaserne am Kurt-Schumacher-Damm. Jeder Soldat muss einen Dienstausweis vorlegen, zivile Besucher und Handwerksfirmen werden streng kontrolliert. Auf dem riesigen Gelände in Wedding (Bezirk Mitte), hat das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw) seinen Sitz. Auch das Feldjägerregiment 1, das Wachbataillon des Bundesministeriums der Verteidigung, die Sportfördergruppe Berlin, das Stabsmusikkorps und das Bundeswehrdienstleistungszentrum haben an diesem Standort ihren Dienstsitz. Mehr als 4000 Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Kräfte arbeiten dort.

08:25 Feldjäger-Rekrut Marvin Kühl führt den Kampf gegen hartnäckige Knitterfalten in seinem Uniformhemd. Mit einem nassen Handtuch und dem Bügeleisen greift er an. „Ich komme aus Dresden, bin seit April 2015 in der Julius-Leber-Kaserne“, sagt der 19-Jährige. „Meine Stube teile ich mir mit einem Kameraden, für zwei Stuben gibt es ein Bad.“ Nach seinem „Dienst“ am Bügelbrett geht es später auf den Exerzierplatz.

08:45 Rekruten einer Ausbildungskompanie machen sich auf den Weg zur Sanitätsausbildung. Die Ausbildung zum Einsatzersthelfer ist die grundlegende Erste-Hilfe- und Sanitätsausbildung der Bundeswehr. Sie sei für alle Bundeswehrsoldaten während der Grundausbildung verpflichtend, heißt es.

09:15 Hochwasser, Waldbrände und Tornados und andere außergewöhnliche Ereignisse – benötigen zivile Stellen wie die Feuerwehr und die Hilfswerke Unterstützung bei Katastrophen wenden sie sich an die Bundeswehr (BW). In Berlin befindet sich das Einsatzführungskommando für BW-Inlandseinsätze im Katastrophenfall. Morgenlage. Täglich um 9.15 Uhr schließt sich die Tür zu einem großen Raum. Dort treffen sich die Experten und verschaffen sich einen kurzen Überblick. Wetterbericht, Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes, Wetterwarnungen und der Waldbrandindex. „Hochwasserwarnungen sind am heutigen Tag nicht erkennbar“, beendet ein Lageoffizier das tägliche Briefing.

10:20 Kelle für Kelle füllen Köchin und Küchenarbeiterin heiße Erbsensuppe in Edelstahlbehälter um. „190 Portionen Suppe sind für das Gelände bestellt“, sagt Köchin Kerstin Langklotz. „Die werden in speziellen Thermobehältern den Soldaten zu den Übungen geliefert.“

11:00 Mitarbeiter einer Gartenbaufirma pflegen die Grünflächen. Zivilfahrzeuge rollen über die Straßen, die Kinder einer Schulklasse besuchen das Kasernengelände und gehen Hand in Hand über die Straße. Die Julius-Leber-Kaserne ist wie eine Kleinstadt in der Großstadt. Startende und landende Flugzeuge auf dem benachbarten Flughafen Tegel unterbrechen nahezu jedes Gespräch im Freien.

11:30 Auf dem Hubschrauberlandeplatz durchfährt Feldjäger Christian Fröbisch auf einer BMW-Maschine einen Geschicklichkeitsparcours. „Das ist Teil des täglichen Trainings“, sagt er. Mit 23 Jahren ist er der jüngste Eskortenspitzenfahrer der Bundesrepublik. „Wir machen regelmäßig Ausfahrten, trainieren Keilfahrten und üben das Handling mit dem Motorrad.“ Ihr Auftrag: die Eskortenfähigkeit für das Protokoll des Verteidigungsministeriums.

14:00 40 Tage tägliches Marschieren, der Infanteriegriff mit dem Karabiner 98k muss im Schlaf beherrscht werden. Kein Bauch, kein Bart und zwischen 1,75 und zwei Metern müssen sie groß sein: die Gardisten und Infanteristen des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung. Zum diplomatischen Protokoll gehören auch die militärischen Ehren für hochrangige Staatsgäste. Ungefähr 1000 Soldaten in sieben Kompanien trainieren nach ihrer Grundausbildung täglich in der Kaserne für diese Aufgaben.

14:45 Die „musikalische Visitenkarte“ der Bundeswehr, das Stabsmusikkorps, probt für seine bis zu 300 Auftritte im Jahr. Gemeinsam mit dem Wachbataillon bilden sie den feierlichen Rahmen bei den Empfängen im Schloss Bellevue, im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes oder im Bendlerblock. Am 23. Juni wird die Queen musikalisch empfangen. Das Orchester beherrscht alle Nationalhymnen dieser Welt.

16:10 Im Präventions- und Fitnesscenter in der Kaserne stemmen Oberstabsgefreiter Chris Kaiser und Gefreiter Tobias Flügel Gewichte. „Neben dem vorgeschriebenen Sport zwei- bis dreimal in der Woche gehen wir auch in der Freizeit zum Training“, sagen sie. „Wir versuchen, mindestens einmal am Tag für eine Stunde zu trainieren.“ Die beiden Soldaten sind beim Wachbataillon der Bundeswehr. Wegen der harten und anspruchsvollen Aufgabe sei eine körperliche Fitness ein absolutes „Muss“, heißt es. Später wartet unter anderem stundenlanges Stehen am roten Teppich bei den protokollarischen Einsätzen.

17:05 „Ich bin das Gesicht der Bundeswehr in Berlin“, sagt Brigadegeneral Michael Matz. Der 56-Jährige ist General für Standortaufgaben Berlin. „Ich bin der Ansprechpartner für alle zivilen Dienststellen und Hilfsorganisationen.“ Außerdem repräsentiert er die Bundeswehr bei verschiedenen Empfängen, Kongressen und den Spenden-Veranstaltungen der Bundeswehr für den Berliner Dom und die Berliner Tafel in Reinickendorf.