Stadt-Runde

Naherholung statt Fluglärm in der „Fliegersiedlung“

Heute geht es durch Neu-Tempelhof, eine kleine Vorstadtsiedlung mitten in der Großstadt – die sogenannte „Fliegersiedlung“.

Das heute vor allem bei jungen Familien extrem beliebte Quartier zwischen Dudenstraße, Tempelhofer Damm, General-Pape-Straße und S-Bahn-Ring bietet seit der Schließung des Flughafens Tempelhof Naherholung statt Fluglärm.

Angelegt wurde das Fliegerviertel in den 20er-Jahren vom Berliner Architekten Fritz Bräuning. Sein Ziel war eine Gartenstadt auf dem ehemaligen Militärgelände des Tempelhofer Feldes. Los geht es am U-Bahnhof Paradestraße. Die Station der Linie U6 wurde 1927 unter dem Namen „Flughafen“ eröffnet. Geht man die Paradestraße mit dem Tempelhofer Damm im Rücken hinunter, merkt man schnell die Idylle, die sich hier jenseits der lauten Hauptstraße offenbart. Man passiert einen grünen Zug mit Spielplatz, rechter Hand liegt der Tennisclub Grün-Gold und kleine Reihenhäuser mit Gärten säumen die schmalen Straßen.

Am Ende der Paradestraße liegt der Adolf-Scheidt-Platz mit seinem Storchenbrunnen . Der Platz wurde 1924-31 gestaltet – ein typischer Schmuckplatz der 20er-Jahre. Zunächst hieß er Paradeplatz, wurde 1925 nach dem Kommunalpolitiker Adolf Scheidt benannt, der beim Bau der Wohnsiedlung eine wichtige Rolle spielte. Da die weltanschaulichen Ansichten Scheidts den Nazis widersprachen, benannten sie den Platz 1934 wieder in Paradeplatz um – 1955 erhielt der Platz seinen Namen zurück.

Weiter geht es auf der angrenzenden Manfred-von-Richthofen-Straße rechts entlang. Direkt an der Ecke zum Loewenhardtdamm liegt auf der linken Seite die „Garagengärtnerei“ von Antje Kaden mit der Hausnummer 52. Seit 2009 bietet die Künstlerin von April bis September immer freitags (9 bis 18.30 Uhr) und sonnabends (9 bis 15 Uhr) Blumen, ihre eigenen Keramikarbeiten, Garten- und Wohndeko an. Ihren eigenen Garten dürfen die Besucher auch bestaunen.

Die nächsten beiden Straßen, die die Manfred-von-Richthofen-Straße kreuzen – erst der Schreiber-, dann der Wolffring – umschließen ein weiteres grünes Band im Viertel . Wer von der Richthofen-Straße ein paar Stufen hinuntergeht, findet sich zwischen Spielplatz, Wasserläufen und Parkbänken wieder. Ein Stück weiter liegt der verwunschene Kynastteich.

Zurück auf der Richthofen-Straße wird es nun bald geschäftiger. Blumenläden, Bäckereien, Drogerien, Cafés und Apotheken reihen sich bis zur U-Bahnstation Platz der Luftbrücke aneinander. Neuester Zuzögling im Kiez: Der Bioladen „Grünschnabel“.