Ausflugs-Tipp

Besuch bei den Wasserbüffeln

Tiefwerder und Pichelswerder an der Havel lohnen nicht nur für Wasserfreunde

Zu unserem Ausflug an eine der schönsten Berliner Wasserlandschaften fahren wir entweder mit dem Bus M49 stadtauswärts bis zur Station Pichelswerder – oder wir kommen mit einem privaten Gefährt in das Landschaftsschutzgebiet direkt vor der Freybrücke im Spandauer Ortsteil Wilhelmstadt. Da die Brücke derzeit komplett erneuert wird und die Behelfsbrücke nur zweispurig ist, kommt es gerade am Wochenende häufiger zu Staus. Ein kleiner Parkplatz für Autos befindet sich auf der stadteinwärtigen Seite der Heerstraße, Wendemöglichkeit ist nach der Baustelle der Freybrücke. Man kann übrigens auch mit dem Fahrrad nach Tiefwerder fahren.

Schon nach wenigen Metern in den Brandensteinweg nimmt sich die Natur Meter für Meter ihren Raum. In einem kleinen Wäldchen steht ein trutzig wirkendes Backsteingebäude. Hier befindet sich ein riesiger unterirdischer Gasspeicher. Rechter Hand fällt das Gelände zum Wasser ab. Im nördlichen Teil des Stößensees besitzen zahlreiche Berliner Rudervereine und Yachtclubs Grundstücke direkt am Wasser. Einer davon ist der traditionsreiche Akademische Ruder Club zu Berlin, der 1891 in Grünau gegründet wurde und vier Jahre später in Spandau eine Dependance eröffnete. Ehrenobmann Wolf-Herwig Schulze kümmert sich um die Alten Herren. Wenn genügend zusammen kommen, geht es mit dem Riemen-Achtern Richtung Pfaueninsel. „Ein bisschen Bewegung tut auch den alten Herren gut“, meint der Ruderer.

Wer Tiefwerder selbst per Paddel erkunden will, geht die staubige Straße weiter bis zum Bootsladen. Spaziergänger halten sich links und nehmen den höher gelegenen Waldweg, der auf die andere Seite des Werders führt. Hier geht es eine hölzerne Treppe hinunter. Auf Holzbohlen überquert man einen Nebenarm des Hauptgrabens. Rechter Hand sieht man nun die Kleingarten-Häuschen von Klein-Venedig. Links öffnet sich das mehrere Hektar große Auensumpfgebiet der Tiefwerder Wiesen. Nicht mehr lange, und dann zeigen sich im ausgedehnten Röhrichtgürtel Wasserschwertlilie, Sumpfdotterblume und weitere seltene Pflanzen.

Laichgebiet für Hechte

Weiter im Sumpf glitzert die Sonne auf den seichten Wassern eines Sees, der zu den letzten Feuchtwiesengebiet im Bereich der Berliner Unterhavel gehört. Hier laichen nicht nur Hechte, sondern auch andere Fische und Frösche. Hauptattraktion sind die Wasserbüffel. Seit mehreren Jahren führt das Umwelt- und Naturschutzamt Spandau mit einer kleinen Herde von zehn Exemplaren auf den Auenwiesen eine natürliche Beweidung durch. Von Ende April bis Anfang Oktober stehen die exotischen Paarhufer in einem großen eingezäunten Areal der Tiefwerder Wiesen.

Unser Weg führt entlang des kleinen Wasserlaufes Hauptgraben Richtung Westen. Hinter vielen Häuschen liegt ein Boot im Wasser. Ein Graureiher fliegt in eleganter Kurve zum Wasser. An einer Schautafel mit den Tieren von Tiefwerder biegt rechts ein Weg ab, der zur Dorfstraße führt. Hier bieten viele Firmen, die mit Wassersport und Bootsbau zu tun haben, ihre Dienstleistungen an. An der Hausnummer 25 führt ein Weg über eine kleine hölzerne Brücke Richtung Südhafen. Am gegenüberliegenden Ufer der kanalisierten Havel haben sich Baustofffirmen angesiedelt.

Der Weg führt nun entlang der Havel an der Westseite der Tiefwerder Wiesen. Zahlreiche Freizeitboote schippern Richtung Wannsee, größere Schiffe mit Tiefgang steuern Richtung Südhafen. In Sichtweite der Heerstraße nehmen den Weg links und genießen noch einmal die Stille und Weite der Tiefwerder Wiesen. Nachdem wir einen kleinen Wasserlauf überquert haben, gelangen wir wieder auf baumbestandenes, höheres Gelände zu unserem Ausgangspunkt. Hier queren wir an der Ampel die Heerstraße zum Siemenswerderweg. Ein etwa 45-minütiger Rundgang führt uns nun um Pichelswerder. Am südlichen Teil des Weges werden wir für die Extra-Schleife mit einer grandiosen Sicht auf die Havel belohnt. Entlang des kleinen Pichelssees führt der Weg zurück zur Heerstraße.