Dokumentation

Die Schönheit der Stille

Ein Dokumentarfilm zeigt das Leben in einem schwäbischen Kloster: „Silentium“

Wer das hier liest, braucht Stille. Es lässt sich nun mal schlecht sprechen, während man einem Text folgt. Auch die Bewohner des Benediktinerinnenklosters Unserer Lieben Frau Habsthal am Rand der Schwäbischen Alb erfüllen eine Aufgabe, die Ablenkung schlecht verträgt. Sie sorgen dafür, dass „das Gotteslob nicht verstummt.“ Sie tun das seit 750 Jahren. Noch vor 60 Jahren waren sie eine Gemeinschaft von 50 Nonnen. Nun sind es nur noch vier, die mit einem Pater tun, was man im Kloster eben so tut: Man betet und arbeitet, man liest gemeinsam aus Psalmen, verharrt in Stille, näht hier und da mal ein Gewand oder geht mit der Sense durch den Klostergarten.

Was der umtriebige Berliner Autor und Regisseur Sobo Swobodnik in „Silentium“ über das Leben in jenem schwäbischen Kloster festgehalten hat, ist die Schönheit der Stille und der Charakter all der kleinen Alltäglichkeiten, die die Stille durchbrechen: Das Geräusch eines Fadens, den die Nadel durch Stoff zieht, das Geräusch von Porzellan auf einem Holztisch, das verschmitzte Lachen bei einem der wenigen weltlichen Vergnügen, wenn sich Schwester und Pater zum Brettspiel „Labyrinth“ treffen.

Die Bilder sind hell und freundlich, fast jenseitig strahlend, die Farben entsättigt. Anders als Philip Gröning, der vor zehn Jahren mit seiner fast doppelt so langen Doku „Die große Stille“ das Leben in einem Kartäuser-Kloster nachvollziehbar machte, scheint Swobodnik vor allem von einem ästhetischen Interesse getrieben zu sein. Nebenbei sucht er nach kleinen, anekdotischen Brüchen in dem möglichst unmodern gehaltenen, ritualisierten Alltag. Besonders tief schürft er dabei nicht. Die Interviews mit den Nonnen drehen sich weniger um ihre Biografie oder Spiritualität, sondern meist um ihre wirtschaftliche Lage und die sich abzeichnende Schließung des Klosters, mangels Nachwuchses. Swobodnik scheint mit seinem schönen spartanischen Film der Welt des Silentiums schlicht und einfach so „Servus“ zu sagen, wie man „Servus“ eben sagt: betont leise.

Dokumentation: D 2015, 84 min., von Sobo Swobodnik

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