Drama

Ein Kind gegen die Einsamkeit

Nicht ganz überzeugendes Drama über das Thema Leihmutterschaft: „Melodys Baby“

Das Thema wurde vom Kino bereits ausführlich durchdekliniert. Leihmutterschaft, der große moralische Aufreger der 80er-Jahre, hat sich in Dramen, Melodramen und Feel-Good-Filmen niedergeschlagen. Man weiß alles darüber. Dank etlicher Dokumentationen kennt man die Marktpreise, die gezahlt werden, gar nicht zu reden von den Motiven und Dilemmata der Beteiligten.

So gesehen ist „Melodys Baby“ ein Film, der offene Türen einrennt. Geschrieben und inszeniert hat ihn ein Belgier mit dem schönen Namen Bernard Bellefroid. Schön kalt ist es in der belgischen Stadt, in der Melody (Lucie Debay) von einem eigenen kleinen Frisiersalon träumt, und schön kalt ist auch das Leben der englischen Managerin Emily (Rachael Blake), die sich mit einem Kind aus ihrer Einsamkeit erlösen will. Die erfolgreiche Insemination findet in Odessa statt, dann beginnt das Drama. Zur Exposition gehört, dass Emily einmal schwanger war, dann eine Krebsdiagnose bekam und sich zwischen Kind und eigenem Leben entscheiden musste. Melody ist das mutterlose Kind. Unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben.

Emilys leerer Swimmingpool ist Bellefroids Metapher für dieses doppelte Frauenunglück. Schöne Bilder vom winterlichen Meer und lange Einstellungen in bläulichen Räumen suggerieren das Verlangen nach Wärme, Trost und Nähe. Statt dessen: kalte Duschen. „Ist es das erste Mal, dass Sie das machen?“, will Emilys Schwägerin boshaft beim gemeinsamen Weihnachtsessen wissen, und der Bruder tritt mit einem sarkastischen „Toller Job!“ nach.

An diesem Punkt gerät der Film aus der Spur. Schlagartig wird alles vorhersehbar. Dass Melody das Baby behalten will. Dass Emily zu drakonische Maßnahmen greift. Dass der Krebs wiederkommt (über Nacht sieht Blake wie gestorben aus). Der rührselige Schluss. Vom Ende her könnte man die Geschichte als Katharsis eines Menschen begreifen, der der Welt schon bei der Geburt abhanden gekommen war und nun zu sich selbst erlöst wird.

Eine Frau beginnt zu leben. Das Erstaunliche daran ist nur, wie kalt und umstandslos die andere geopfert wird. Debay und Blake geben zwar ihr Bestes, aber die dramaturgischen Löcher können sie nicht stopfen. Sie wurden im vergangenen Jahr auf dem Filmfestival von Montreal übrigens ex aequo mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.

Drama: F/B/BEN 2015, 94 min., von Bernard Bellefroid, mit Lucie Debay, Rachael Blake

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